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In neuen Bond-Film "Skyfall" spielen neben Daniel Craig auch berühmte Gemälde mit

Britische Ikonen

James-Bond-Filme sind nicht gerade Unterrichtsstoff für Kunsthistoriker. Mit dem neuen Streifen "Skyfall" könnte sich das allerdings ändern. Denn hier spielen gleich zwei berühmte Gemälde recht wichtige Rollen.

LONDON

von Von Bettina Jäger

, 07.11.2012 / Lesedauer: 3 min

James Bond - gespielt von Daniel Craig - geht diesmal ins Museum. Genauer gesagt: in die National Gallery in London. Allerdings will er nicht die ehrwürdige Kunstsammlung bewundern, sondern seinen neuen Quartiermacher treffen.Gespräch über ein berühmtes Bild

Dieser "Q", gespielt von Ben Whishaw als jungem Besserwisser, zieht den mies gelaunten Bond ins Gespräch über ein berühmtes Bild - "The Fighting Temeraire" von William Turner. Das schwarze Dampfschiff darauf sei dem alten Segelschiff ebenso überlegen wie er selbst als Computer-Freak dem herkömmlichen Agenten. "Was sehen Sie denn?", fragt er. "Zwei Schiffe", antwortet James Bond trocken.Untergang einer Ära

Stimmt auffallend. Aber auch die grundsätzliche Interpretation des Bildes als Untergang einer Ära ist zutreffend. Die HMS Temeraire half Lord Nelson 1805, die Schlacht von Trafalgar zu gewinnen. Trotzdem wurde der stolze Segler 1838 nach Rotherhithe geschleppt, um dort abgewrackt zu werden - eine Szene, die Turner selbst beobachtet hatte. Seit jeher ist sein meisterliches Gemälde als Metapher für den Niedergang der englischen Seemacht verstanden worden.Museum freut sich "Wir sind sehr erfreut, dass dieses ikonische Bild für den James-Bond-Film ausgewählt wurde", sagt Alexandra Moskalenko, Sprecherin der National Gallery. Das kann sie auch sein: Denn das Museum wirkt mit den prunkvoll gestalteten Wänden des Saals 34, wo die Szene gedreht wurde, einfach prächtig.

Nicht zuletzt sieht der Kinobesucher in der Szene zwei weitere Ikonen der Kunstgeschichte: den "Morgenspaziergang" von Thomas Gainsborough (1727-1788) und - noch interessanter - das "Experiment mit dem Vogel in der Luftpumpe" von Joseph Wright of Derby (1734-1797).Wird das Opfer überleben? Eine Taube flattert in einem Glaskolben, dem durch eine Vakuumpumpe die Luft entzogen wird. Wird das Opfer überleben? Eine Frage, die auch in Bond-Filmen öfters eine Rolle spielt ...

In "Skyfall" gibt es aber noch einen zweiten Auftritt eines berühmten Bildes. In Shanghai beobachtet Bond einen Killer, der einen Unbekannten erschießt. Dieser Mann ist gerade in die Betrachtung eines Gemäldes von Amedeo Modigliani versunken.Gestohlene Gemälde Kein schlechter Scherz, den die Filmemacher sich da anlässlich des 50-jährigen Bond-Jubiläums erlauben: Ausgerechnet diese "Frau mit Fächer" wurde 2010 aus dem Musée National d'Art Moderne in Paris geraubt. Schon im ersten Bond-Film - "James Bond jagt Dr. No" - hatte es einen sehr ähnlichen Auftritt gegeben. 1961 war Goyas Porträt des "Herzogs von Wellington" gestohlen worden.Moderner Mythos In den Agentenfilm bauten die Macher dann einen Gag ein, den damals jeder Zeitungleser verstand. James Bond alias Sean Connery beugte sich in der Kommandozentrale von Dr. No zu einem Bild hinunter. Es war das verschwundene Gemälde. Diese Filmszene soll zu dem modernen Mythos geführt haben, dass Megareiche Kunst auf Bestellung stehlen lassen. Das Bild des "Herzogs von Wellingon" tauchte allerdings später wieder auf - ein älterer Brite hatte es aus Protest gehen zu hohe TV-Gebühren geklaut.Der Kreis schließt sich Der Goya war damals übrigens aus der National Gallery in London verschwunden. Und so schließt sich der Kreis zwischen dem ersten und dem bislang letzten Bond-Film.