Initiative möchte helfen, Kirchen zu erhalten

BOCHUM Wie lange ist meine Kirche noch zu halten? Diese Frage stellen sich viele Gemeinden angesichts der finanziellen Belastungen, die hohe Unterhaltungskosten und sinkende Mitgliederzahlen nach sich ziehen.

von Von Christian Meiners

, 03.05.2009, 18:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
Haben Ideen, wie der Kirchenschwund zu stoppen ist (v.l.): Manfred Schönberg, Dr. Manfred Keller und Joachim Gallhoff.

Haben Ideen, wie der Kirchenschwund zu stoppen ist (v.l.): Manfred Schönberg, Dr. Manfred Keller und Joachim Gallhoff.

Das Problem ist gewiss nicht neu. Die übliche Lösung besteht darin, unrentable Kirchen zu schließen. "Das ist sozial wie personell meistens nicht zu verantworten", sagt jedoch Dr. Manfred Keller. Zusammen mit dem Architekten Joachim Gallhoff und dem Architekturpsychologen Manfred Schönberg hat der Theologe deshalb die Initiative "Kirchen öffnen und erhalten" gegründet. Ihre Lösung lautet: erweiterte Nutzung von Kirchen.

Das bedeute zum Beispiel, Gemeindehäuser für ökumenische oder auch weltliche Veranstaltungen zu vermieten oder sogar ganz aufzugeben. Für betroffene und interessierte Gemeinden haben Keller und sein Team ein Arbeitsheft veröffentlicht. Es hilft, Konzepte für eine solche erweiterte Nutzung zu entwickeln. Anschließend gilt es zu prüfen, ob dadurch überhaupt ein finanzieller Vorteil entsteht.

Tragfähiges Konzept

"Die erste Frage lautet fast immer: Wer soll das bezahlen? Deshalb ist eine Prüfung der Wirtschaftlichkeit unumgänglich", sagt Keller. Aber: "Nicht jede Kirche kann erhalten werden", relativiert Gallhoff. "Rechnet sich ein Konzept nicht, bleibt meist nur die Schließung übrig." Ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, ist eine Sache. Die Gemeindemitglieder dafür zu gewinnen, eine andere. Das Thema birgt Konflikte. Hier leistet Manfred Schönberg Überzeugungsarbeit: "Wir wollen den Leuten ihre Kirche nicht wegnehmen. Als Gottesdienststätte soll sie erhalten bleiben."

In Bochum gibt es bereits zwei gelungene Beispiele: die Christuskirche in der Innenstadt, die mittlerweile für ihre Kulturveranstaltungen bekannt ist, oder die Friedenskirche in Stahlhausen. Dort wurde die Gemeindearbeit ins Kirchengebäude verlegt, das frei gewordene Gemeindehaus an einen weltlichen Partner vermietet. Für Umbauten hat die Gemeinde einen Kredit aufgenommen. Ist dieser getilgt, steht der Gemeinde mehr Geld zur Verfügung als zuvor.