Initiative plant Protest gegen Westbad-Umzug

Kundgebung am Dienstag

Der Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit hat am Dienstagabend dem Rat empfohlen, den Westbad-Neubau in Wischlingen zu errichten. Derweil verstärken die Befürworter des jetzigen Standorts ihren Protest. Und rufen für kommenden Dienstag (27. 6.) zu einer Kundgebung im Kortental auf.

DORSTFELD

, 21.06.2017, 16:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Initiative plant Protest gegen Westbad-Umzug

Schon im Oktober 2014 gingen Bürger für den Erhalt des Westbads schwimmen. Jetzt planen sie eine Kundgebung.

„Wenn wir nichts unternehmen, ist das Bad weg aus Dorstfeld“, schreibt die Initiative „Rettet das Westbad“ auf Flugblättern und Plakaten. „Alle Dorstfelder und Unterstützer im Kampf für die Erhaltung des Schwimmbades mitten im Ort werden gebeten, an diesem Abend ihre Solidarität durch Anwesenheit zu bekunden.“ Die Kundgebung beginnt um 18 Uhr auf dem Freigelände vor dem Westbad am Kortental.

Klare Positionen pro Kortental beziehen auch die CDU Dorstfeld, der Grünen-Ortsverband Innenstadt West und die Ratsfraktion von Linken und Piraten.

Zweifel an Kostenvergleich

Viele der Entscheidungsbegründungen „halten einer Überprüfung nicht stand“, kritisiert die Dorstfelder Ortsunion. In einer „teilweise emotionalen Versammlung“ habe sie das Thema mit Bürgern diskutiert, teilt sie in einer Presseinformation mit. „Massive Zweifel bestehen an dem vorgenommenen Vergleich der Betriebskosten. Deren Berechnung ist nicht nachvollziehbar. Empörung herrschte darüber, dass, obwohl zugesagt, Standortqualitäten und soziale Faktoren nicht ausreichend berücksichtigt wurden.“ Ohne das Schwimmbad werde sich das „ohnehin angespannte soziale Gefüge Dorstfelds“ verändern. An die Adresse der Ratsmitglieder formulieren die Christdemokraten: „Eine Entscheidung für Wischlingen ist eine Entscheidung gegen die Dorstfelder. Das sollte jedem Entscheider klar sein.“

Mit der Infrastruktur und der sozialen Situation in Dorstfeld begründen auch die Grünen ihr Plädoyer pro Kortental. „Außerdem sprechen der unmittelbare Einzugsbereich im Vergleich der beiden Bäder eindeutig für das Kortentalbad. Kindergärten, Schulen, Familien, Vereine und Freizeitschwimmer sind auf das schnell erreichbare und gut gelegene Bad am Kortental weiterhin angewiesen.“ Da die Investitionen an beiden möglichen Standorten fast gleich seien, sehen die Grünen „keinen Grund der Bündelung des Schwimmangebots in Wischlingen“.

Sparen am Personal

„Klare Kante – Kortental“, titeln Linke und Piraten im Rat ihre Presseinformation. Die Fraktion teile die Pro-Wischlingen-Faktoren Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit, Investitions- und Betriebskosten sowie soziale Faktoren nicht, betont der sportpolitische Sprecher Thomas Zweier. In Wischlingen müssten sich die städtischen Beschäftigten die Büro- und Personalräume mit den Beschäftigten des Freizeitbades Wischlingen teilen, eigene gebe es nicht. 

 

Zweier: „Auch in Ihrer Anzahl würden sie dort nicht voll übernommen, sondern nur ein Teil von ihnen. Die anderen müssten in fremde Tätigkeiten wechseln.“ Zweier bezweifelt ferner „signifikante Personaleinsparungen aufgrund von prognostizierten Synergieeffekten.“

Die Fraktion kritisiert, dass an einem Standort Wischlingen die Aufsicht für Eltern über ihre Kinder nicht so gegeben sei. Ferner sei der Weg durch das Industriegebiet für Kinder und Jugendliche sowie für Frauen und ältere Menschen gefährlicher. „Gerade in der dunklen Jahreszeit sorgen wir uns um die Sicherheit der Badbesucher und wollen ihnen diesen Angstraum ersparen.“

Bürgerbegehren ausgesetzt

Auch das Argument, dass Badegäste zukünftig die Angebote des Freizeitbades Wischlingen nutzen können, kritisiert Linken-Bezirksvertreterin Anne Eberle: „Wir geben zu bedenken, dass dieses Angebot auch extra kostet und damit wieder einen Großteil der Bürgerinnen und Bürger ausschließt.“

 

Die Initiative „Rettet das Westbad“ erinnert in ihrem Aufruf zur Kundgebung an die 8500 Unterschriften, die sie 2015 in einem Bürgerbegehren gesammelt hatte. Aufgrund der Zusage eines ergebnisoffenen Gutachtens setzten sie das Begehren aus. „Nach den neuesten vorgelegten Gutachten sind die Baukosten durch das fehlende Babyschwimmbecken, Personalräume und Umkleidengröße nicht vergleichbar“, erklärt Anke Starr. Bei der Kundgebung will die Initiative die Standortvorteile aufzeigen. „Dorstfeld steht und fällt mit der sozialen Begegnungsstätte rund um das Westbad im Kortental.“

Gegenstimmen und Enthaltungen

Im Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit wurde am Dienstagabend über die Bad-Pläne abgestimmt. Befürworter waren die Fraktionen von CDU und SPD. Die Grünen nahmen an der Abstimmung nicht teil, da ihnen noch Informationen fehlen würden. Am Ende beschloss der Ausschuss bei zwei Gegenstimmen, dem Rat den Neubau des Hallenbades im Revierpark Wischlingen zu empfehlen.

Das alte Westbad muss wegen baulicher Mängel geschlossen werden. 2014 formierte sich der Widerstand gegen eine Schließung. Im gleichen Jahr stellte die Stadt Neubaupläne in Wischlingen vor. Nach einem vergleichenden Gutachten sprach sich der Verwaltungsvorstand im Mai für den Standort Wischlingen aus.

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