Inklusion im Job als große Herausforderung

Arbeitsmarkt

Die Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt ist eine Herausforderung. In Bochum versuchen die Werkstätten Constantin-Bewatt die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen voranzutreiben. Nun informierte sich dort die Grünen-Fraktion im LWL über die Arbeit der Werkstätten.

BOCHUM

, 25.04.2015, 05:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Inklusion im Job als große Herausforderung

Werkstattleiter Arnd Lattenkamp (Mitte) mit der Grünen-Fraktion in der Metallverarbeiten.

Wie die Inklusion bewerkstelligt werden kann, ist Thema der zweitägigen Klausur der Grünen-Fraktion im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Um die Praxis besser zu verstehen, statteten die Grünen am Freitag den Behindertenwerkstätten Constantin-Bewatt einen Besuch ab – und stießen auf Gegenwind von Diakonie-Mitarbeiter Eckhard Sundermann.

„Wir haben Konzepte, kommen damit aber nicht weiter, weil wir immer das Argument ‚zu teuer‘ hören“, sagt der Fachbereichsleiter Psychosoziale Hilfe bei der Diakonie Ruhr in Richtung der Politiker. Eine Kritik, die die Grünen im LWL nicht auf sich sitzen lassen wollten – sie verweisen auf die Kommunen.

Diese seien durch den LWL so unterstützt worden, dass die Rücklagen des Landschaftsverbandes aufgebraucht seien. Nun muss der LWL sparen – und könnte das auch im Bereich der Behindertenarbeit machen.

Mehr Plätze benötigt?

Jedenfalls sieht eine Beschlussvorlage einen Stop bei der Schaffung neuer Plätze in den Werkstätten vor. Zu welchen Folgen das bei der Betreuung führen könnte, dürfte auch nach dem Besuch der Werkstätten für die Grünen nicht klar zu beantworten sein.

Obwohl in den Werkstätten Constantin-Bewatt nur 570 Plätze zur Verfügung stehen, aber 683 Menschen betreut werden, ist die Situation dort noch vertretbar. Denn die Werkstatt verfügt auch über Außenarbeitsplätze und kann die Menschen so gut verteilen. Zudem würden sich Angebot und Nachfrage der Plätze in etwa die Waage halten. Doch Eckhard Sundermann schränkt ein: „Das sieht regional anders aus. Außerdem können wir die Entwicklungen der Zahl von jungen Menschen mit psychischen Störungen nicht einschätzen.“

Beide Seiten profitieren

Sicher ist er sich nur in einem Punkt: „Wir brauchen mehr Geld.“ Zusätzlich wünscht er sich auch eine höhere Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen bei den Arbeitgebern. Dort gebe es nach wie vor Probleme, auch wenn die Diakonie Ruhr mit ihrem Konzept der Außenarbeitsstellen auf einem guten Weg sei.

20 Menschen arbeiten derzeit außerhalb der Werkstätten – und davon profitieren beide Seiten. Die Arbeitnehmer, weil sie eine Arbeit außerhalb der Werkstätten kennenlernen und eigenständiger zu leben beginnen, und die Arbeitgeber, weil die Menschen mit Behinderungen weiterhin als bei den Werkstätten beschäftigt gelten und somit die Betriebe und Unternehmen sie nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigen müssen.

Genau dort wünscht sich Sundermann jedoch eine höhere Bereitschaft, diese Menschen auch voll zu übernehmen. Und das ist nur eine der Baustellen, die die Arbeitsmarktpolitik im Umgang mit Menschen mit Behinderungen beschäftigt.

Weitere Diskussionen

Für Bochums Sozialdezernentin Britta Anger ist auch eine Diskussion über die Frage notwendig, ob die Nachteilsausgleiche für Menschen mit Behinderungen, wie eine andere Regelung des Rentenanspruchs, nicht letztlich auch den Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt verhindern. Denn wer in den Werkstätten arbeitet, hat bereits nach 20 Jahren einen Rentenanspruch. In der freien Wirtschaft sieht das anders aus. Für die Grünen im LWL mag daher der Besuch in den Bochumer Werkstätten noch keine wirkliche Erkenntnis zur Inklusion gebracht haben, doch wie die anschließende Diskussion zeigte, war er nötig, um überhaupt die Dimension dieser Thematik zu begreifen. 

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