Insolvenzen: Mindestens 24.000 Firmenpleiten im nächsten Jahr erwartet

Coronavirus

Bisher machen sich die Auswirkungen der Pandemie und der Lockdowns noch nicht in der Zahl der Firmenpleiten bemerkbar. Doch im nächsten Jahr rechnen Experten dafür mit umso mehr Insolvenzen.

Düsseldorf, Osnabrück

31.10.2020, 06:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Nach Schätzungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform wird es im kommenden Jahr etliche Insolvenzen geben.

Nach Schätzungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform wird es im kommenden Jahr etliche Insolvenzen geben. © picture alliance/dpa

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet im kommenden Jahr mit einem deutlichen Anstieg der Insolvenzverfahren in der deutschen Wirtschaft. Hauptgeschäftsführer Volker Ulbricht spricht in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ von bis zu 24.000 oder mehr Verfahren: „Ich rechne damit, dass die Insolvenzwelle im ersten Quartal 2021 ihren Höhepunkt erreichen und sich auch dann erst zeigen wird, wie sich der zweite Lockdown zusätzlich auswirkt“, sagte Ulbricht.

Unter dem Eindruck des bevorstehenden „leichten“ Lockdowns im November werde sich das Bild für viele Branchen noch einmal deutlich verdüstern – trotz der zusätzlich angekündigten Hilfen.

Staatshilfen verzögern einige Insolvenzen

Für dieses Jahr prognostiziert die Wirtschaftsauskunftei 17.000 bis 18.000 Insolvenzverfahren und damit weniger als noch im vergangenen Jahr. „Dass die Zahl der Insolvenzen in diesem Jahr geringer ausfallen wird als 2019, ist nur damit zu erklären, dass auch viele Trittbrettfahrer Hilfen in Anspruch genommen beziehungsweise von der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht profitiert haben“, sagte Ulbricht.

Im ersten Halbjahr 2020 hatte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen trotz Corona nach früheren Angaben von Creditreform um 8,2 Prozent auf 8900 Fälle verringert. Das Insolvenzgeschehen habe sich von der tatsächlichen wirtschaftlichen Situation der Unternehmen abgekoppelt, betonte Ulbricht seinerzeit.

Insolvenzanträge bis Jahresende nicht verpflichtend

Wenn ein Unternehmen dauerhaft kein Geld mehr hat, muss es normalerweise einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht stellen. Schon bei drohender Zahlungsunfähigkeit sowie bei Überschuldung ist der Antrag nach einer bestimmten Frist Pflicht.

Zuletzt wurde wegen der angespannten Lage vieler Unternehmen das Insolvenzrecht gelockert. Unternehmen, die sich in der Corona-Krise überschuldet haben, müssen bis Jahresende keinen Insolvenzantrag stellen. Sie müssen aber weiter zahlungsfähig sein.

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