Instrumente von Harry Partch klingen nach Freiheit

Ruhrtriennale

Mit dem Konzert „Monophonie“ hat Johan Simons' Ruhrtriennale nicht nur die Brücke zu Vorgänger Heiner Goebbels geschlagen, sondern auch die archaischen Klänge des Avantgarde-Komponisten Harry Partch an zeitgenössische Formen populärer Musik angeschlossen.

BOCHUM

, 18.09.2017, 13:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Instrumente von Harry Partch klingen nach Freiheit

"Monophonie" wurde bei der Ruhrtriennale in der Bochumer Jahrhunderthalle aufgeführt.

Heiner Goebbels hatte sich 2013 einen lang gehegten Traum erfüllt: Er ließ die Instrumenten-Erfindungen Harry Partchs nachbauen und das Ensemble Musikfabrik darauf die faszinierende Freiheit seines mikrotonalen Klangkosmos entfalten.

Spannend ist, dass die meisten seiner Erfindungen an bekannte Instrumente wie Gitarre, Harmonium oder Marimbaphon erinnern, aber kleinere Tonsprünge erlauben oder voluminösere Tonumfänge aufweisen.

Humor ist auch dabei

2017 ist es dasselbe Ensemble, das in der Bochumer Jahrhunderthalle Partchs Vision neuer Musik mit seiner Komposition „Ring around the Moon - A Dance Fantasm for Here And Now“ entfaltet. In diesem überraschend melodiebetonten Stück hat der Humor einen großen Platz, wenn etwa eine Sängerin grinsend von 1 bis 21 zähl-singt und noch „x, y, z“ dahinter setzt.

Der dänische Komponist Simon Steen-Andersen lotet in seinem Stück „Korpus“ vor allem in großer Ernsthaftigkeit aus, wie es klingt, wenn ein Tischtennisball auf einem Klangholz hüpft. Und der Norweger Helge Sten hat eine düstere Klangmeditation komponiert.

Aufregende Neuauslotung

Eine wirklich aufregende Neuauslotung von Partchs Klangmöglichkeiten hat der Komponist und Techno-DJ Phillip Sollmann mit der 70-minütigen „Monophonie“ geschaffen – übrigens am Computer, der mit den gesampelten Einzeltönen aller Instrumente gefüttert war. Er lässt das Ensemble repetitive, percussive Klänge im Viervierteltakt spielen wie in der House-Music – oder flirrende Flächen weben.