Interaktive Installation „Wissen kneten“ in einem Ladenlokal

C60

Kann man Wissen eigentlich kneten? Diese Frage stellt sich beim Betrachten des Titels der neuen interaktiven Installation des C60. „Wissen kneten“ heißt die Installation in einem Ladenlokal, die am Samstag, 14. Dezember, eröffnet. wird. Doris Dziersk hat sie entworfen und hofft, damit Gegensätze aufzuzeigen.

MITTE

, 14.12.2013, 11:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Interaktive Installation „Wissen kneten“ in einem Ladenlokal

Aus einem Tonstück wie diesem, den die Künstlerin Doris Dziersk in den Händen hält, sollen die Besucher zu wissenschaftlichen Vorträgen Skulpturen formen.

Erwachsene Menschen, die über Kopfhörer wissenschaftlichen Texten wie dem Vortrag „Was ist Materie?“ des Physikers Erwin Schrödinger lauschen, sind schon an sich kein alltägliches Bild. Richtig ungewöhnlich wird es, wenn jeder dieser Menschen ein Stück Ton in den Händen hält und knetend durch ein Ladenlokal in der Innenstadt spaziert. Dieses Bild wird ab Samstag, 14. Dezember, Wirklichkeit. Das C60/Collaboratorium für kulturelle Praxis stellt bis Ende Januar die interaktive Raum-Installation „Wissen kneten“ von Doris Dziersk in einem Ladenlokal am Hellweg 2 aus. „Es ging darum, einen Raum zum Thema Wissen zu entwerfen“, erzählt die Künstlerin. „Die Beschäftigung mit Wissen ist oft mit Passivität verbunden. Das fängt schon in der Schule an, wenn der Lehrer den Kindern sagt, dass sie zum Lernen still sitzen sollen.“

Wechselwirkung

In vielen Köpfen werde konzentriertes Nachdenken als Gegensatz zu praktischen Tätigkeiten und körperlicher Bewegung gesehen. Diesen Widerspruch stellt Dziersk in ihrer Installation nun experimentell in Frage. In öffentlichen Gesprächen und an bereitstehenden Hörstationen thematisieren Experten Wissen in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Dabei erhält jeder Besucher ein Stück Ton, das er während des Vortrags mit den Händen bearbeiten kann. „Was genau mit dem Ton geschieht, bleibt jedem selbst überlassen. Ob eine tolle Skulptur geformt oder der Ton nur zerbröselt wird, ist egal“, so Dziersk. „Es wird interessant sein zu sehen, welche Wechselwirkungen es zwischen den Wissensthemen und der unbewussten Handarbeit gibt.“

300 Kilogramm Ton

Nach den Vorträgen wird der Ton gebrannt und mit Datum, Uhrzeit und dem Titel des Gesprächs versehen. Die fertigen Skulpturen werden in kleinen Regalen präsentiert. Die Vorträge in verschiedenen Wissensgebieten sollen für Abwechslung sorgen. Zur Eröffnung am Samstag kommen eine Hebamme, ein Sportler, ein Projektinitiator und eine Philosophieprofessorin. Weitere Experten werden erwartet. Bei den Hörstationen gibt es unter anderem Gespräche von Hannah Arendt und Elena Esposito zur Auswahl. Insgesamt 300 Kilogramm Ton stehen für die benutzbare Installation bereit. Es darf also exzessiv geknetet werden. „Einen Kittel halten wir natürlich auch für unsere Besucher bereit“, so Dziersk. Sie sei gespannt, welche materiellen Formen die Gespräche aus den unterschiedlichen Fachgebieten hervorbringen würden.  

Termine:
Erstmals geknetet werden kann am heutigen Samstag, 14. Dezember, von 14 bis 18.30 Uhr bei den Expertengesprächen. Um 19 Uhr gibt es dann einen Eröffnungsempfang mit einer Einführung in die Installation von Doris Dziersk. Die weiteren Öffnungszeiten sind vom 15. bis zum 22. Dezember sowie vom 6. bis zum 26. Januar, jeweils dienstags bis sonntags von 15 bis 19 Uhr. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

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