Interview mit Sven Pistor: "Fußball ist zum Lachen da"

Auftritt in Dortmund

Sven Pistor ist für viele Fußballfans die Stimme des Samstagnachmittags. Der 44-Jährige Kölner moderiert seit vielen Jahren die Bundesligakonferenz "Liga live" bei WDR2. Mit seiner Show "Pistors Fußballschule" steht er am 24. Januar (Dienstag) im Dietrich-Keuning-Haus auf der Bühne. Wir haben ihm vorab ein paar Fragen gestellt.

DORTMUND

, 15.01.2017, 03:22 Uhr / Lesedauer: 3 min
Interview mit Sven Pistor: "Fußball ist zum Lachen da"

Sportmoderator Sven Pistor kommt mit seiner Bundesliga-Show ins Dietrich-Keuning-Haus.

Die Bundesliga ist gerade in der Winterpause. Wie verbringen Sie im Moment Ihre Samstagnachmittage?

Ich stehe trotzdem bei WDR2 im Studio. Der Samstag ist mein Radiotag. Wir berichten über Borussia Dortmund, die sind ja in Spanien und haben sich vorbereitet. Und über die anderen Bundesligisten. Der Fußball hört ja irgendwie nie auf. Sodass ich jetzt nicht in ein schwedisches Möbelhaus fahre, um mir Schränke zu kaufen. Ich bin Sportjournalist. Und das Wochenende ist nun mal unsere Arbeitszeit.

Und jetzt geht’s ja bald auch wieder los. Wer wird dieses Jahr Deutscher Meister?

Nicht RB Leipzig. Und ich glaube auch nicht Borussia Dortmund. Es werden wohl oder übel wieder die Bayern.

Und wer steigt ab?

Das ist eine sehr spannende Frage. Darmstadt ist für mich ein Abstiegskandidat. Aber vielleicht überraschen sie mich ja mit Torsten Frings. Ingolstadt muss man auf der Uhr haben. Und vielleicht erwischt’s ja den HSV. Die machen ja seit Jahren alles dafür, runter zu gehen, und haben sich immer gerettet.

Sie haben Ihr Tippspiel „Alle gegen Pistor“. Aktuell haben Sie 116 Punkte, Platz 23 422. Könnte besser laufen, oder?

(lacht) Es lief auch mal ganz gut. Eine Nacht lang war ich Erster. Da habe ich beim Eröffnungsspiel der Bayern auf ein 5:0 gesetzt und es kam genauso. Ich bin so ein bisschen masochistisch veranlagt, was das angeht. Anders ist es nicht auszuhalten. Ich hatte drei schlimme Spieltage vor Weihnachten und bin 20 000 Plätze abgestürzt. Es gibt ja 70 000 aktive Tipper – und da ist das echt brutal. Das ist nicht immer lustig beim Bäcker, wenn die Leute mich anhauen. Aber sie haben ja recht.

Etliche Menschen verbinden Ihre Stimme mit der Bundesliga. Was bekommen Sie für Rückmeldungen?

Man kennt unsere Stimmen aus dem Radio, aber die Gesichter bleiben eher im Verborgenen. Es kommt immer wieder vor, dass mich Leute an der Stimme erkennen. Das Coole ist, dass die Meisten sagen: „Ach Mensch, das macht mir immer so Spaß.“ Die Leute verbinden mich mit Fußball und einem angenehmen Lebensgefühl.

Was war die kitzeligste Situation, die Sie als Moderator erlebt haben?

Da gibt es immer wieder welche. So ein Bundesligasamstag um 15.30 Uhr ist ja eine Zone der kompletten Unsicherheit. Man weiß gar nicht, was in den nächsten Sekunden passiert. Das Salz in der Suppe sind immer die Tore. Die Leute lieben das geordnete Chaos dieser Konferenz. Eine Sache, über die ich mir immer wieder Gedanken mache: Wenn ein Trainer eine schwierige Periode hat, wie André Schubert in Gladbach. Dann kommt man ja nicht vorbei, das journalistisch zu bearbeiten. Wichtig ist, dass man fair berichtet.

Was machen Sie, was untypisch ist für einen Sportmoderator?

Ich weiß nicht, ob es untypisch ist, aber ich habe seit jeher eine Band. Wir treffen uns und machen Musik zusammen, deutschen Gitarrenpop. Ich singe, spiele Gitarre. Wir lieben das. Es wird immer mehr zu einem Männerclub. Früher wollte ich sogar Musiker werden. Aber dann, während des Studiums, ging einer unserer Gitarristen zum Deutschlandfunk, und das fand ich dann auch interessant. Die Musik ist mein kleines Refugium. Da kann ich auch mal rumspinnen.

„Lektion Bundesliga“ ist schon Ihre zweite Show. Warum haben Sie sich entschieden, auf die Bühne zu gehen?

Ach, da hatte ich einfach immer Spaß dran. Ich hatte viele Bühnenmoderationen. Und die Leute haben immer sehr interessiert zugehört, wenn ich mal hinter die Kulissen der Bundesliga geblickt habe. Der Fußball ist so groß, es gibt so viele Ebenen. Da habe ich mir überlegt, diese Ebenen in einen Stundenplan zu bringen und eine Fußballschule zu machen. Ich möchte Infos geben, aber Fußball ist auch zum Lachen da. Es wird sehr lustig. Ich habe auch einen Stargast mit dabei: Nobby Dickel.

Warum er?

Ja, wer passt denn besser in Dortmund? Er ist der Kult-Stadionsprecher, der Fußballgott der Dortmunder. Nobby Dickel passt wie die Faust aufs Auge. Ich freue mich sehr.

Was lehren Sie in der Show?

Geschichtsunterricht habe ich zum Beispiel. Dafür habe ich den Burkhard Hupe dabei. Er ist Reporter in der Bundesligakonferenz und sehr belesen. Er kümmert sich um den Bundesligaskandal Anfang der 70er-Jahre. Er hat da neue Aspekte recherchiert. Ein Thema ist auch die Gründung der Bundesliga.

Ich habe das Fach Gesellschaft und Soziales. Das klingt hochtrabend. Aber es gab so viele spinnerte Aussagen von Profis und Trainern, die dann gesellschaftliche Diskussion mit sich gebracht haben. Zum Beispiel: Wie viel Deutsch muss man als ausländischer Profi lernen? Ich habe singende Bundesligaprofis im Musikunterricht. Und ich will wissen, wer in der Klasse der Klugscheißer ist. Die Leute treten in einem Fußballquiz an.

Sind Sie ein Klugscheißer?

Nein. Ich merke, dass ich immer mehr weiß. Aber es gibt einfach Leute, die ein lebendes Lexikon sind. Ich denke, ich habe ein ganz gutes Gespür für den Fußball und die Bundesliga.

Kann man kommen, wenn man kein Fußball-Fan ist?

Ja, das ist wichtig. Das Programm ist für Fußball-Freaks, für Nostalgiker und auch für absolute Voll-Amateure. Wir erzählen ja die Geschichten der Bundesliga. Und eine gute Geschichte muss ja nur gut erzählt sein, um die Zuhörer zu packen.

Die „Lektion Bundesliga“ beginnt am 24. Januar (Dienstag) um 20 Uhr im Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstraße 50-58. Karten kosten 27,55 Euro: erhältlich im RN-Service-Center, Silberstraße 21 und unter

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