Interview: Wirte fürchten schwarze Schafe

IM WESTEN Seit Dienstag ist der blaue Dunst aus den Dortmunder Kneipen und Cafés Geschichte. Über erste Reaktionen der Kundschaft und die Auswirkungen des Rauchverbotes auf die Zukunft der Gastronomie sprach Redakteur Matthias vom Büchel mit Willi Böhmer, seit 13 Jahren Wirt der Gaststätte "Haus Windau" in Bövinghausen, und Wilhelm Mohrenstecher, der seit 19 Jahren das Café "Blickpunkt" in Lütgendortmund führt.

von Ruhr Nachrichten

, 02.07.2008, 17:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Haben die Aschenbecher noch nicht ausgemistet: Willi Böhmer (l.) Und Wilhelm Mohrenstecher (r.).

Haben die Aschenbecher noch nicht ausgemistet: Willi Böhmer (l.) Und Wilhelm Mohrenstecher (r.).

Herr Mohrenstecher, Herr Böhmer sind Sie selbst Raucher?

Beide: Ehemalige. Wir können deshalb den Frust der Raucher verstehen.

Wie haben Ihre Kunden auf das Rauchverbot reagiert?

Böhmer: Unterschiedlich. Einige Raucher haben gesagt, sie wollen vor der Tür rauchen. Andere haben angedroht, nicht mehr zu kommen. Mal abwarten.

Mohrenstecher: Mir haben auch einige Gäste signalisiert, dass sie künftig nicht mehr kommen werden. Das ist schade, aber ich werde keinen Raucherclub gründen. Denn es gibt auch andere wie ein altes Ehepaar, das nun wieder kommen will, weil nicht mehr geraucht wird.

Also keine Angst vor Kundenrückgang?

Böhmer: Doch natürlich. Die Branche ist schwierig geworden. Jeder Gast zählt.

Aber ich habe eigentlich noch mehr Angst vor schwarzen Schafen aus der eigenen Branche.

Mohrenstecher: Genau. Wenn viele Wirte das Verbot einfach unterlaufen, dann wird die rauchende Kundschaft dorthin wechseln.

Glauben Sie ernsthaft, das werden viele Kneipen machen?

Böhmer (lacht): Ich hatte gestern Ruhetag und habe ein paar Kollegen besucht. Ich kann nur sagen: Die haben das Verbot ignoriert.

Hand aufs Herz, halten Sie das Gesetz für Blödsinn?

Beide: Nein, besonders in der Speisengastronomie macht es absoluten Sinn. Aber: Es müssen sich alle daran halten und es darf auch sonst nicht so viele Schlupflöcher geben.

Was meinen Sie mit Schlupflöchern?

 

Schwammige Ausnahmeregelungen. Viele Dinge sind noch nicht geklärt. Zum Beispiel soll ja bei Traditionsveranstaltungen geraucht werden dürfen. Aber ist zum Beispiel die Bartholomäus-Kirmes eine solche Veranstaltung? Oder bin ich sogar dran, wenn während der Kirmes jemand mit Zigarette ins Café kommt?

 

Böhmer: Oder was ist eine geschlossene Gesellschaft, in der geraucht werden darf? Ist es nur dann eine, wenn jemand mein Gesellschaftszimmer mietet, oder auch dann, wenn ich eine Oldie-Party feier und Eintrittsgeld nehme?

Mohrenstecher: Von ganz klaren Regeln und einer absolut nötigen Kontrolle wird es abhängen, ob das neue Gesetz akzeptiert wird.

Böhmer: Sehe ich auch so. Dann spricht in einem Jahr niemand mehr darüber.

Was wollen sie für Ihre Raucher tun?

Mohrenstecher: Der Bereich neben dem Café ist überdacht. Dort besteht die Möglichkeit zu rauchen.

Böhmer: Momentan reicht ein großer Markt-Schirm. Kommt der Herbst, muss ich sehen, ob das reicht.

Haben Sie die Aschenbecher schon entsorgt?

Beide: Nein, noch stehen sie hinter dem Tresen. Erst einmal abwarten, bis der letzte Richter gesprochen hat und schauen, wie sich alles entwickelt.

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