Irgendwann „nur noch ein Schnupfen“: Wird das Coronavirus schon harmloser?

Coronavirus

Diese Theorie gibt es schon länger: Das Coronavirus könnte sich eventuell zu einer harmlosen Infektion entwickeln. Nun will ein Virologe dafür bereits erste Hinweise erkannt haben.

von Irene Habich

, 21.08.2020, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wird das Coronavirus gefährlicher oder harmloser – auf diese Frage gibt es bisher noch keine Antworten. (Symbolbild)

Wird das Coronavirus gefährlicher oder harmloser – auf diese Frage gibt es bisher noch keine Antworten. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus steigen wieder – doch es gibt kaum Todesfälle in Deutschland. Weniger als zehn Menschen pro Tag sterben hierzulande momentan am Coronavirus, an manchen Tagen gar keine. Bedeutet das, dass das Virus harmloser wird?

Ulf Dittmer, Direktor der Virologie am Uniklinikum Essen hatte der „Bild“ gesagt, das Coronavirus habe sich womöglich bereits abgeschwächt. So würden besonders häufig Geruchs- und Geschmacksstörungen beobachtet, die typisch für leichte Verläufe seien. Irgendwann werde der Erreger vielleicht nur noch einen Schnupfen auslösen.

Eine Verschonung der Lungen wäre womöglich ein Selektionsvorteil

Zumindest die Hypothese mit dem Schnupfen ist hierbei nicht neu. Christian Drosten von der Berliner Charité hatte diese schon Anfang Juni im Gespräch im „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info geäußert und ausführlich erklärt. So hatten Wissenschaftler festgestellt, dass das Virus bereits gut an die Schleimhäute der Nase angepasst ist. Es sei denkbar, dass irgendwann vor allem die oberen Atemwege (in Form eines Schnupfens) befallen und die Lunge verschont werde, hatte Drosten gesagt. Das könne für das Virus einen Selektionsvorteil bedeuten, weil es sich durch Schnupfen besonders leicht verbreitet. Bei Infizierten würde die Erkrankung dann leichter verlaufen.

Es sei aber nicht die einzige Weise, auf die sich das Virus verändern könne. Möglich sei auch, dass der Erreger sich nach einer Mutation schneller im Körper vermehrt und den gesamten Atemtrakt stärker befällt, was eine Verschlimmerung bedeuten würde. Menschen würden dann schneller krank, sagt Drosten, allerdings würden Infektionen auch schneller bemerkt, sodass es zu weniger Ansteckungen kommen dürfte. Eine solche Mutation, glaubt der Virologe, werde sich deshalb mit geringerer Wahrscheinlichkeit durchsetzen.

Mit der Zeit, werde das Virus in jedem Fall harmloser werden, schon alleine durch eine Bevölkerungsimmunität. Mutationen könnten aber zusätzlich dazu beitragen. Man habe bereits bei anderen Viren beobachtet, dass die Virulenz mit der Zeit abnehme. Allerdings bezog sich Drosten damit nicht auf die aktuelle Entwicklung – sondern sprach von einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren.

Noch keine Hinweise auf Abschwächung

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) sieht momentan keinen Hinweis darauf, dass sich das Virus abgeschwächt hat. Die Zahl der Verstorbenen sei in den vergangenen Monaten zurückgegangen, weil die Fallzahlen insgesamt niedrig gewesen seien, weniger Menschen aus Risikogruppen betroffen waren und es auch nicht mehr so viele Ausbrüche in Altenheimen und Krankenhäusern gegeben habe, sagt Marieke Degen, stellvertretende Pressesprecherin des RKI.

So hätten sich zuletzt vermehrt Menschen jüngerer Altersgruppen angesteckt. Junge Menschen aber überstehen die Infektion in den allermeisten Fällen unbeschadet. Es kommt es nur selten zu schweren Verläufen oder gar Todesfällen.

Degen ist jedoch überzeugt: „Sobald sich wieder vermehrt ältere Menschen infizieren, muss auch mit einem Anstieg der Hospitalisationen und Todesfälle gerechnet werden.“ Bereits seit Anfang Juli würden nicht nur die Fallzahlen insgesamt, sondern auch Ausbrüche in Altenheimen und Krankenhäusern wieder zunehmen. Mit mehr Todesfällen sei aber erst nach einer Verzögerung zu rechnen. Denn meist würden Patienten mehrere Wochen durch die Intensivmedizin am Leben gehalten, ehe sie sterben.

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