Jahrzehntelang der Inbegriff des Terrors

Die Rote Armee Fraktion

Mehr als zwei Jahrzehnte lang war die Rote Armee Fraktion (RAF) in Deutschland der Inbegriff von Terror und Mord. Ihrem „bewaffneten Kampf“ gegen das „imperialistische System“ fielen Dutzende Menschen zum Opfer - darunter hohe Repräsentanten von Wirtschaft und Politik.

BERLIN

19.01.2016, 15:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die sogenannte erste Generation der Rote Armee Fraktion wurde angeführt von Andreas Baader (o.l.) und Ulrike Meinhof (o. 2. v. l.)

Die sogenannte erste Generation der Rote Armee Fraktion wurde angeführt von Andreas Baader (o.l.) und Ulrike Meinhof (o. 2. v. l.)

Vorläufer der RAF war die nach dem Kaufhaus-Brandstifter Andreas Baader und der Journalistin Ulrike Meinhof benannte Baader-Meinhof-Gruppe. Nach der Studentenrevolte der 1960er Jahre konzentrierte diese „erste Generation“ ihre Gewalttaten bis 1972 vor allem auf US-Einrichtungen und begründete das mit dem Vietnamkrieg.

Als der „harte Kern“ nach massivem Ausbau des Fahndungsapparats hinter Gittern saß, setzte die „zweite Generation“ die Terrorserie fort. Als Anführer gelten Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt. Ihr Hauptanliegen wurde die Befreiung der „ersten Generation“ aus der Isolationshaft. Die erste spektakuläre Aktion war der Überfall auf die deutsche Botschaft in Stockholm 1975.

Schleyer-Entführung

Als sich der Staat 1977 auch nicht mit der Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer und einer Lufthansa-Maschine erpressen ließ, begingen Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis Stuttgart-Stammheim Suizid. Schleyer wurde daraufhin von seinen Entführern ermordet.

Danach formierte sich eine „dritte Generation“ der RAF mit einer namentlich kaum bekannten „Kommando-Ebene“. Auf ihr Konto sollen mehrere Morde gehen - etwa an dem MTU

-Vorstandschef Ernst Zimmermann (1985), dem Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts (1986), dem Bonner Spitzendiplomaten Gerold von Braunmühl (1986), Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991). Bis heute wissen die Ermittler nicht, wer die Täter waren. Mehrere Verdächtige sind noch auf der Flucht.

Falsche Identitäten in der DDR

Während weltweit nach RAF-Terroristen gefahndet wurde, ermöglichte die Stasi zehn von ihnen ein bürgerliches Leben mit falschen Identitäten in der DDR. Zu den erst nach der Wende 1990 enttarnten gehörten Susanne Albrecht, Silke Maier-Witt und Inge Viett.

Im März 1998 erklärte die RAF in einem letzten Schreiben ihre Auflösung: „Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte“. Die Verfasser erinnerten „an alle, die überall auf der Welt im Kampf gegen Herrschaft und ihre Befreiung gestorben sind“. Sie schlossen mit dem Rosa-Luxemburg-Zitat „Die Revolution sagt: ich war, ich bin, ich werde sein“ und einer Auflistung der Namen von 26 getöteten RAF-Tätern. Die Opfer ihrer Terroranschläge und Überfälle werden nicht erwähnt. Insgesamt ermordete die RAF 34 Menschen, etwa 230 wurden verletzt.  

Von dpa