Jan Neumann bringt Fassbinders "Maria Braun" auf die Bühne

Premiere am Sonntag

Am Anfang haben sie alle den berühmten Film von Rainer Werner Fassbinder gesehen. „Die Ehe der Maria Braun“. Und dann haben sich die Schauspieler, hat sich der Regisseur Jan Neumann von diesen Bildern gelöst. Wie sie den Stoff auf das Theater übertragen, wie sie von heute aus auf die Gründerjahre der Bundesrepublik sehen, das ist ab Sonntag, 23. September, in den Kammerspielen zu sehen.

BOCHUM

von von Ronny von Wangenheim

, 18.09.2012, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jan Neumann bringt Fassbinders "Maria Braun" auf die Bühne

Schon einmal hat Bettina Engelhardt die Maria Braun gespielt – bei der Uraufführung der Theaterfassung in Düsseldorf. 32 Jahre alt war sie damals. „Das perfekte Alter für die Rolle“, sagt die Schauspielerin und schränkt gleich darauf lächelnd ein: „Ich habe nicht viel verstanden.“ Heute, neun Jahre später, verstehe sie die Sätze ganz anders. Für Bettina Engelhardt, für Jan Neumann ist Maria Braun eine hochmoderne Frau, die ihre Karriere über alles stellt. Sie glaubt, dass man Gefühle nur über etwas Materielles ausdrücken kann. Wenn sie ihrem Mann ihr Scheckbuch schenken will, ist dies für sie der größte Ausdruck ihrer Liebe.

Erzählt wird die tragische Geschichte dieser Liebe. Dieser Ehe, die im Bombenhagel geschlossen wird und der erst einmal nur eine Nacht vergönnt ist. Zugleich wirft das Stück einen Blick auf die Nachkriegszeit, auf den Gründungsmythos der Bundesrepublik. Maria Braun steht für dieses Wirtschaftswunder, lebt die Tausch-Ökonomie der damaligen Zeit. Wenn nach zehn Jahren ihr Mann Hermann endgültig zurückkehrt, ist sie eine reiche Frau. Das Haus ist gebaut, das Nest ist bereitet – doch die Erfüllung der Ehe werden beide nicht erleben. Fassbinder lässt die Geschichte 1954 enden. Jan Neumann will die Linien bis heute weiterziehen: „Wir nähern uns mit unserer Phantasie dem Stoff.“ Von dem er sagt: „Das ist etwas unglaublich Großes, an dem man nur wachsen kann, wenn man sich damit auseinander setzt.“

Dabei geht es Neumann auch darum, für die außergewöhnliche Filmsprache Fassbinders Entsprechungen für das Theater zu finden. Da ist beispielsweise die Tonspur. Radioübertragungen, Baulärm überlagern die Gespräche, machen so die Geschichte des Aufbruchs hörbar. Auf der Bühne der Kammerspiele werden die Schauspieler diesen Aufbau durch harte körperliche Leistung deutlich machen. Die Bühne wird erst mit ihrer Muskelarbeit im Laufe der Aufführung entstehen. „Was zu wahnsinnig schönen Schauspielerkörpern führen wird“, sagt Jan Neumann. Und lacht. Übrigens: Wer den Regisseur Jan Neumann näher kennen lernen will, hat dazu am Mittwoch, 19. September, um 18 Uhr Gelegenheit. Chefdramaturg Thomas Laue stellt den Regisseur, Autor und ausgebildeten Schauspieler im Tanas im Gespräch vor. Der Eintritt ist frei.