Jan Vermeer und seine Zeit

Hajo Düchting

Zeigt das Gemälde "Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge" von 1665 wirklich eine Dienstmagd, in die sich der Künstler Jan Vermeer verliebt hatte? Der Hollywood-Film mit Scarlet Johansson will es uns weismachen, aber Vermeers Biograf Hajo Düchting bleibt da skeptisch.

von Von Bettina Jäger

, 07.05.2011, 12:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Jan Vermeer und seine Zeit

"So wenig man über das Leben Vermeers weiß, desto sicherer ist man sich aber doch über die familiäre Gebundenheit, die ihm den Rahmen für seine künstlerische Tätigkeit gab. Welche Gefühle gegenüber seinen (wenigen) Modellen im Spiel waren, lässt sich natürlich nur vermuten", schreibt er in seinem Buch "Jan Vermeer und seine Zeit".Edle Gestaltung

Das ist wirklich schöner Lesestoff für Kunstfreunde, der seinem Thema auch optisch gerecht wird - mit gutem Papier, vielen Abbildungen und einer edlen Gestaltung. Da vertieft man sich gern in die Geschichte des "Rätsels von Delft". Der Begriff entstand, weil die Wissenschaft so erbärmlich wenig weiß über diesen Künstler, der 1632 als Sohn eines Wirts geboren wird, 1675 hoch verschuldet stirbt und von dem sich nur 34 Gemälde erhalten haben.Kostbarkeiten erklärt

Um so wichtiger ist, wie genau Hajo Düchting diese Kostbarkeiten erklärt und interpretiert. Niemand weiß heute noch, dass ein Bild wie die "Stehende Virginalspielerin" durch das Musikinstrument auf die Jungfräulichkeit der Dame hinweist und diese Tatsache mit dem Bild eines Cupido hinter ihr gleich wieder in Frage stellt.Virtuose Beschreibungen

Einfühlsam und sprachlich virtuos beschreibt Düchting aber auch, was die Gemälde bis heute so zeitlos erscheinen lässt - die Innerlichkeit und Stille der Motive, die angedeuteten Gefühle, die subtilen Botschaften. Das große Geheimnis Vermeers aber war das Licht. Düchting: "Das damals allgegenwärtige Rembrandtsche Dunkel wird von ihm sukzessive aufgehellt, bis sich ein weiches mildes Licht in alle Winkel des dargestellten Raums ergießt und die Farben der Figuren und Objekte zu einem unvergleichlichen Leuchten und Glühen bringt." Schön gesagt.Hajo Düchting: Jan Vermeer und seine Zeit, Belser, 24,95 , ISBN 978-3-7630-2583-1.

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