Jana Schulz als gnadenlose Hedda Gabler

Schauspielhaus Bochum

Das Programmheft ist mit Luftpolsterfolie verpackt, genauso die Bühne des Schauspielhauses Bochum. Abgepuffert könnte das Leben von Hedda Gabler sein. Doch in Roger Vontobels Inszenierung von Ibsens Drama wird Hedda von einem zerstörerischen Dämon besessen - eine Deutung, die mehr Fragen als Antworten aufwirft.

BOCHUM

von von Ronny von Wangenheim

, 16.03.2014, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hedda Gabler (Jana Schulz, l.) mit »Freundin« Thea Elvsted (Minna Wündrich) in Roger Vontobels Bochumer Inszenierung.

Hedda Gabler (Jana Schulz, l.) mit »Freundin« Thea Elvsted (Minna Wündrich) in Roger Vontobels Bochumer Inszenierung.

Jana Schulz spielt die Titelrolle als latent aggressive, bedrohliche Frau. In schwarzem Anzug und schwarzer Sonnenbrille passt sie so gar nicht zu ihrem Mann Jürgen Tesman. Felix Rech spielt ihn nicht wie oft üblich als Schwächling, sondern als gut aussehenden, aber auch herzensguten Mann. Zu herzensgut für Hedda.

Die Bühne von Claudia Rohner - ein hölzernes Oval, modern, kühl, unmöbliert - zeigt: Es ist nicht die kleinbürgerliche Enge, mit der diese Hedda nicht klarkommt. In ihr steckt eine große Energie, die aber kein Ziel hat.

Königin eines Insektenstaats

Für Vontobel ist sie, so lassen es Videobilder von Blüten, Ameisen und Bienen vermuten, die Königin eines Insektenstaates. Lauernd, gnadenlos, zerstörerisch. Nichts kann sie ertragen: nicht ihren Mann, nicht die Liebe von Thea Elvsted zu Eilert Lövborg, nicht dessen Erfolg mit seinem neuen Buch.

Jana Schulz ist kühl und messerscharf, wenn sie Thea ihre Geheimnisse abpresst und ihr dabei zwischen die Beine greift. Später verbrennt sie in einem wütenden Tanz Lövborgs Manuskript, schickt ihn mit der Pistole ihres Vaters in den Tod.

Jana Schulz ist überzeugend in ihrem Spiel genauso wie Minna Wündrich als hübsch-natürliche Thea Elvsted, Florian Lange, der als Lövberg mal wieder einem Betrunkenen die passenden Bewegungen gibt, Katharina Linder als Tante oder Matthias Redlhammer als geckenhafter Richter Brack.

Nicht ganz so einfach macht es der Regisseur den Zuschauern. Vontobel sieht Heddas Handeln in der Beziehung der Generalstochter zu ihrem toten Vater begründet. Dafür hat er eine neue Figur geschaffen.Figurenerfindung Der kleinwüchsige Gisbert Görke taucht immer wieder als Papa Gabler in einer Fantasieuniform, mit grotesker Clownsschminke und dämonischem Lachen aus den Kulissen auf. Was immer Hedda Gabler auch tut, ihren Vater wird sie nicht los.

Am Ende stürmen elf ähnlich geschminkte "Gabler-Kids" auf die Bühne. Den letzten Pistolenschuss und den Selbstmord Hedda Gablers hat Vontobel gestrichen. Stattdessen lässt er Hedda und die Kinder unter Insektenmasken verschwinden. Zurück bleibt der Zuschauer mit seinen Fragen.

Termine: 19./25.3., 13./19./30.4.; Karten: Tel. (0234) 33 3355 55.

 

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