Jana Schulz bewegt in dem Stück "Rose Bernd"

Schauspielhaus Bochum

Die Bühne ist leer, nur goldene Schnipsel fallen leise und unaufhörlich von der Decke. Es ist das einzige, was glänzt in der Welt der „Rose Bernd“. Eine Frau, die ausgenutzt und missbraucht wird, ihr ungeborenes Kind tötet – Roger Vontobel macht im Schauspielhaus Bochum aus dem Stoff großes Theater.

BOCHUM

, 05.10.2015, 14:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Jana Schulz bewegt in dem Stück "Rose Bernd"

Michael Schütz (Arthur Streckmann) und Jana Schulz (Rose Bernd)

Der Regisseur hat sich nach „Einsame Menschen“ erneut mit Gerhart Hauptmann auseinandergesetzt. Es ist faszinierend, wie wandlungsfähig Jana Schulz ist, die in der Titelrolle wieder ein neues Gesicht zeigt. Sie ist Rose, eine hübsche Frau, die glaubt, ihr Leben im Griff zu haben. Sie ist kein Opfer und wird am Ende doch am Boden liegen, verzweifelt und allein gelassen.

Es ist eine kluge Inszenierung, in der mehr Denkfutter steckt, als der gebannte Zuschauer in den konzentrierten 140 Minuten aufnehmen kann. So intensiv ist das Spiel der sieben Schauspieler, das zudem subtil und effektvoll von fünf Musikern vor allem an Blasinstrumenten unterstützt wird. So verstörend ist es, wenn Rose während des Kindsmords in einer Wolke aus Goldglitzer zusammenbricht. Ihr Sterntaler-Märchen geht nicht gut aus.

Bedeutung von Heimat

Vontobel schafft es, das 1903 uraufgeführte Stück von Raum und Zeit zu lösen. Zugleich verweist er auf die Bedeutung von Heimat für Menschen, wenn er die Figuren wie bei Hauptmann in schlesischem Dialekt sprechen lässt.

Starre Gesellschaftsschichten sind ein Grund für Rose Bernds Tragödie. Jeder will etwas von ihr, der Vater, der künftige Ehemann August Keil, der angesehene Liebhaber Christoph Flamm, der missgünstige Emporkömmling Streckmann. Jeder benutzt sie. Um Liebe geht es nie. Am Ende wird Rose selbst schuldig, wenn sie ihr Kind tötet.

Tolles Ensemble

Jana Schulz geht hier wie so oft an Grenzen. Aber auch der Rest des Ensembles begeistert. Der Däne Olaf Johannessen, der erstmals in Bochum spielt, ist sehr präsent als Flamm, Nils Kreutinger beeindruckt als einfacher, frömmelnder Keil, Michael Schütz als cholerischer Streckmann. Am Ende ist es erst ganz still, bevor der große Applaus beginnt, in den sich zu Recht viele Bravorufe mischen.

Vorstellungen: 10./18.29.10. 1./15.11., Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55