Jazz ohne Nachwuchs-Sorgen

BOCHUM Um den Nachwuchs an jungen Jazzern muss man sich in Deutschland scheinbar keine Sorgen machen. Eher um den Nachwuchs an Jazz-Publikum. Das Studio 108 des Bahnhofs Langendreer war zum Konzert des Wasserfuhr Quartet zwar gut gefüllt - so jung wie die beiden Brüder an Trompete und Klavier war dort jedoch kaum jemand.

von von Max Florian Kühlem

, 22.10.2008, 19:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
<p>Einen erstaunlichen Sound entlockte Julian Wasserfuhr (links) der Trompete. Kühlem</p>

<p>Einen erstaunlichen Sound entlockte Julian Wasserfuhr (links) der Trompete. Kühlem</p>

Die aus dem bergischen Land stammenden Julian und Roman Wasserfuhr sind gerade mal 19 und 22 Jahre alt - und haben den ersten großen Karriereschritt schon hinter sich: Ihr Debutalbum "Remember Chet" ist in der Reihe "Young German Jazz" beim renommierten ACT-Label erschienen, ein Nachfolger ist bereits in Planung. Wie der Titel verrät, ist "Remember Chet" eine Hommage an den Jazz-Trompeter und -Sänger Chet Baker. Julian Wasserfuhr, der bereits mit sieben Jahren als jüngster Teilnehmer in der Geschichte den Wettbewerb "Jugend jazzt" gewann, bekam von einigen Jahren eine Baker-Platte von seinem Vater geschenkt. Und war so fasziniert vom warmen, melancholischen Ton des alten Meisters, dass er in dessen Tradition zu spielen begann.

Beim Konzert im Bahnhof Langendreer herrschten so die langsamen, getragenen, gedämpften Töne vor. Statt Modulations-Marathons gab es in Standards wie "If I Should Loose You" oder Eigenkompositionen wie "You Are A Friend of Mine" ein Verweilen in schönen Harmonien und Schwelgen in starken Melodien.

Sanft umspielt wurde der erstaunliche Sound von Julians Trompete und Flügelhorn vom klaren Klavierspiel des drei Jahre älteren Bruders Roman. Große Klasse an Schlagzeug und Bass bewiesen Jonas Burgwinkel und Markus Schieferdecker. Manch einer schaute da verwundert drein, wenn er bemerkte, dass letzterem an der linken Hand ein Finger fehlt. Im Spiel bemerkbar machte sich dieses Handicap nicht. Im Gegenteil sorgte der Bassist ein ums andere Mal für packende Soli.

Ein weiterer Höhepunkt aus der ACT-Reihe "Young German Jazz" ist noch in dieser Woche in der Stadt zu erleben: In der "Neuen Heimat" des Autors und Regisseurs Kristo ?agor im Theater unter Tage spielt morgen um 22 Uhr das Bochumer Jörg Brinkmann Trio.