Jean Ziegler sieht sein neues Buch als Waffe

"Der Hass auf den Westen"

GELSENKIRCHEN Er hat viel von der Welt gesehen, vor allem viel Leid. Am Freitag war Jean Ziegler in Gelsenkirchen, um aus seinem Buch "Der Hass auf den Westen" vorzutragen. <b>Im Interview </b> erzählte der streitbare Schweizer von Ungerechtigkeit.

von Von Michael Billig

, 29.03.2010, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jean Ziegler signierte nach der Lesung in Gelsenkirchen.

Jean Ziegler signierte nach der Lesung in Gelsenkirchen.

Die kannibalische Weltordnung. Das ist die Weltdiktatur des globalisierten Finanzkapitals. Die Finanz-Oligarchen haben heute eine Macht, wie sie ein König, ein Kaiser oder ein Papst in der Geschichte der Menschen nie gehabt hatte. Die kannibalische Weltordnung ist mörderisch und sie ist zugleich absurd. Sie tötet, aber sie tötet ohne Notwendigkeit.

In meinem Buch geht es um vernunftgeleiteten Hass, entstanden aus Leid, dem verwundeten Gedächtnis der Sklaverei, der Kolonialmassaker. Das verwundete Gedächtnis wird politisches Bewusstsein, bricht mit der kannibalischen Weltordnung und bringt souveräne Nationalstaaten hervor, wie Bolivien, Venezuela und Ecuador, die jetzt mit dem globalen Finanzkapital auf Augenhöhe verhandeln können. Das unterscheidet den vernunftgeleiteten Hass radikal vom pathologisch-krankhaften Hass, der die Salafisten und Al Kaida antreibt und der total zu verurteilen ist.

 

Blind und arrogant. Das blinde ethnozentrische Herrschaftsbewusstsein macht es ihm unmöglich, zu sehen, welche tiefen Verletzungen er den Völkern des Südens ständig zufügt.

Damit sie das größtmögliche Publikum finden. "La Haine" ("Der Hass") - das geht nicht, haben meine französischen Verleger gesagt. Und auch die deutschen Verleger haben gesagt: "Hass - das kauft keiner." Doch ich habe den Titel aufrecht erhalten.

Ich bin ein Priviligierter unter den Priviligierten. Ich habe bei der UNO ein Mandat, das mir den Kampf gegen die Ungerechtigkeit erlaubt. Wenn man Menschen vor Hunger sterben sieht, kann man nicht schweigen.

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