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"Jenny Jannowitz": Vom rastlosen Tempo-Hecheln im Hamsterrad

Ruhrfestspiele

Leben in der globalisierten Welt. Raum und Zeit verschwimmen. Geschwindigkeit und Verfügbarkeit sind die neuen Götzen, immer tickt die Uhr und prägt einen Daseins-Rhythmus, der alles durchdringt und schneller und schneller in die Rastlosigkeit führt.

RECKLINGHAUSEN

, 13.06.2014 / Lesedauer: 2 min
"Jenny Jannowitz": Vom rastlosen Tempo-Hecheln im Hamsterrad

Raphael Traub in einer Szene "Jenny Jannowitz".

Nächste Stadt, nächstes Meeting, nächster Job. Wenn der Mensch völlig ökonomisiert ist, wird die Welt zum Laufrad für ohnmächtig getriebene Hamster.

Dieses Lebensgefühl, ins Groteske zugespitzt, fängt Michel Decar mit "Jenny Jannowitz" ein. Uraufführung des Stückes war am Donnerstag bei den Ruhrfestspielen.Hohes Tempo Catja Baumanns Inszenierung für das Staatstheater Braunschweig hält das Tempo hoch, arbeitet mit fliegenden Orts- und Rollenwechseln.

Karlo (Raphael Traub), Herr über Bürosysteme, telefoniert mit der Mama (gut: Martina Struppek), gleichzeitig spricht er mit Chef und Freundin, die er mit Sibylle, Sabine, Susanne anredet.

Sind sie überhaupt zusammen? "Beziehung" ist auch nur ein Termin. Mit viel Glück begegnet man sich auf dem Flughafen in Shanghai.

Namen sind Schall und Rauch Realität verflüchtigt sich. Städte sehen gleich aus. Namen sind Schall und Rauch, Identitäten lösen sich auf. "Mein Lebenslauf hat nichts mit meinem Leben zu tun", klagt Karlo.

"In der Bahn wurde ich verprügelt. Toll, das hatte mit meinem Leben zu tun!" Auf der Bühne (Linda Johnke) voller Multifunktions-Möbel regiert Hektik. Die Akteure geben Gas, hecheln Geschwindigkeit. So ganz will der komödiantische Funke nicht überspringen, die Lawine kommt nicht wirklich in Fahrt, mitunter wirkt der Aberwitz bemüht. Trotzdem kräftiger Applaus.

Nur noch heute (14. 6.), 17 Uhr, Karten: Tel. (02361) 92 18 0.

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