Jesse Owens rennt über die Leinwand

Im Kino

"Laufen kannst Du, doch siegen ist Kopfsache", sagt sein Trainer. Als Sportler war Jesse Owens ein Naturtalent, das an der Uni Rekorde im Minutentakt aufstellte. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin heimste er vier Goldmedaillen ein. Jetzt ist er ein Kinoheld-geworden.

29.07.2016, 15:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
Jesse Owens rennt über die Leinwand

Von den Nazis wurde die Wettkämpfe zum Duell Schwarz gegen Weiß stilisiert: Jesse Owens (Stephan James,r.) hatte die Nase vorn.

Owens sprintete nicht bloß für sich, er hatte eine moralische und politische Last im Kopf und auf den Schultern, wie der Film "Zeit für Legenden" (im Original: "Race", also Rennen, aber auch Rasse) erzählt.

Ein schwarzer Athlet trat an, das Märchen von der Überlegenheit der Arier zu demontieren. Hitler war angefressen, als Owens in Berlin ein ums andere Mal oben auf dem Treppchen stand.

Protest gegen Nazi-Politik

Die Filmbio von Stephen Hopkins fokussiert auf zwei Jahre in Owens Leben, in denen er zu Amerikas Hoffnungsträger aufstieg. Es ist die Geschichte der Freundschaft zwischen Owens (Stephan James) und Coach Snyder (Jason Sudeikis), der sein Mentor wird. Snyder schützt ihn gegen die Pöbeleien weißer Studenten, die Owens als "Nigger" titulieren.

Neben sportlichen Momenten und Episoden aus Owens Privatleben (Heirat, Familie) hat der Film einen Kern, der wenig schmeichelhaft für die USA ausfällt. Rassismus war üblich in Amerika, Protest gegen die Nazi-Politik hatte etwas von Doppelmoral. Dies zu thematisieren, verleiht dem Stoff zusätzliche Tiefe.

Den Schein wahren

Dramaturgisch geht das Drehbuch relativ hausbacken zu Werke. Owens lässt alle Bedenken hinter sich und reist nach Berlin. Dass die Braunen ihre Schikanen gegen Juden erst auf Intervention des US-Sportfunktionärs Avery Brundage (Jeremy Irons) einstellten, fällt unter Geschichtsklitterung - sie waren listig genug, während der Spiele den Schein zu wahren.

Riefenstahl (Carice Van Houten) filmt, Owens siegt, sein deutscher Gegner (David Kross) gratuliert, Goebbels (Barnaby Metschurat) grollt. Gut gespielt, atmosphärisch dicht und prickelnd sind auch die Trick-Sequenzen im vollen Stadion.

 

 

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