Jesus rockt in Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier

Im Musiktheater im Revier hat Intendant Michael Schulz diese Spielzeit auf Werke konzentriert, die sich mit religiösen Fragestellungen befassen. Das ist, in unserem Einwanderungsland, ein mutiger Kunstplan.

GELSENKIRCHEN

, 26.12.2017, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jesus rockt in Gelsenkirchen

Zwei Freunde (v.l.): Jesus (Henrik Wager) und Judas (Serkan Kaya) in der Gelsenkirchener Musical-Inszenierung Foto: © Pedro Malinowski

So folgt, nach Hindemiths „Mathis der Maler“ nun mit „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber eine Rockoper, die, als ein Hit von Weltrang, das Haus wohl lange Zeit füllen wird. Dass Schulz ihre Premiere zu Weihnachten und nicht zur Karwochenzeit ansetzt, in der die Handlung spielt, mag wohl besetzungstechnische Gründe haben.

Schulz hat die Oper schon 2006 im Essener Aalto-Theater inszeniert, als er dort Oberspielleiter war. Es ist ihm gelungen, die beiden Hauptdarsteller von damals – Henrik Wager als Jesus und Serkan Kaya als Judas Iskariot – nach Gelsenkirchen zu holen. Und ihre Art, die beiden Rollen mimisch und stimmlich zu gestalten, ist atemberaubend und perfekt auf die Rockband eingestellt.

Der Band gelingt mit Elektro-Gitarre, Bass, Keyboard, Blech und Schlagzeug so ein Sound, als stamme er aus der Zeit der Hippie-Bewegung, in der diese Rock-Oper (1970) ja auch entstanden ist. Und Heribert Feckler, der musikalische Leiter, ist ein Rockprofi, der diesen Sound zu entfesseln und auf das Bühnengeschehen zu übertragen versteht.

Großartig verdichtet

Der rote Faden von Webbers Libretto ist die jahrelange Freundschaft von Jesus und Judas, die in den letzten Jerusalemer Tagen einen Riss erfährt: Judas entdeckt, dass Jesus mehr und mehr an Depressionen leidet, und er beschließt, ihn durch seinen Verrat zu neuer Tatkraft zu bewegen. Als dies nicht gelingt, weiß er keinen anderen Ausweg, als sich selbst zu erhängen.

Das ist eine andere Version, als sie im Neuen Testament dargestellt wird. So wird eigentlich Judas zur Hauptrolle: Jesus wird zwar gefangen und geschändet, aber er stirbt nicht – am Ende hängt nicht Jesus, sondern ein anderer am Kreuz. Was will die Inszenierung damit sagen? Dass die Rockoper nur ein Spiel sei – und nicht mehr.

Glänzend die Idee, keine Pausen zu geben: es gibt eine Ober- und eine Unterbühne, die Bühnenbilder wechseln in Sekunden, wie ein Schwenk im Film; und so verdichtet dauert die Rockoper zwei geballte Stunden.

Der Applaus war geradezu überwältigend, das Auf- und Zuziehen der Vorhänge wollte nicht aufhören. Und er galt allen Beteiligten: dem Regisseur und seinen turbulent organisierten Massenauftritten von Sängern, Chor, Tänzerinnen und, nicht zu vergessen, den besonders variablen Bühnenbildern von Kathrin-Susan Brose.

Termine: 31.12., 7./13./21./ 28.1.; Karten: Tel. (0209) 4097200.