“Jetzt sind Sie mal nicht so streng!“

INNENSTADT „Jetzt sind Sie mal nicht so streng!“ Mit diesen Worten, ihrer verkehrsgefährdenden Fahrweise und einem etwas verschrobenem Rechtsempfinden überraschte eine 59-Jährige am Mittwoch zwei Wittener Polizeikommissare.

09.11.2007 / Lesedauer: 2 min

Die beiden Beamten waren am Mittwoch mit einem Zivilstreifenwagen auf der regennassen Westfalenstraße in Richtung Erlenstraße unterwegs. In Höhe der Hausnummer 95 fuhr plötzlich ein Pkw vom Fahrbahnrand an und wendete über die gesamte Breite der Westfalenstraße. Nur durch eine Vollbremsung konnte der Fahrer des Streifenwagens einen Zusammenstoß vermeiden.Die Beamten atmeten kurz durch und wollten das Auto, anzuhalten.

Dazu klappten sie die Sondenblende herunter, schalteten das in grellem Rot leuchtende Anhaltesignal “STOPP POLIZEI“ ein und betätigen die Lichthupe sowie das Signalhorn.Doch die Golf-Fahrerin reagierte nicht. Beide Fahrzeuge fuhren auf eine rote Ampel zu, und die Polizisten entschlossen sich, dort neben den Golf zu fahren und die Frau mit dem Anhaltestab zum Halten zu bewegen. Doch dazu kam es nicht, denn die Frau fuhr mit gleich bleibender Geschwindigkeit über die seit mehreren Sekunden rote Ampel und setzte ihre Fahrt in Richtung Annenstraße fort.Ein Autofahrer, der bei Grünlicht von einem Supermarktparkplatz auf die Westfalenstraße einbiegen wollte, konnte seinen Wagen noch rechtzeitig abbremsen.

"Ich habe es eilig"

Die Polizisten brachten daraufhin ein Blaulicht auf dem Zivilwagen an und folgten dem Golf.An der nächsten Ampel stoppte die Golf-Fahrerin, stieg aus und erklärte: „Ich habe es eilig, muss zu einer Beerdigung und komme sowieso schon zu spät!“ Auf die Frage, ob sie es denn überhaupt bemerkt habe, das sie fast einen Verkehrsunfall verursacht sowie einen Rotlichtverstoß begangen habe, antwortete die Frau nach erfolgter Belehrung: “Ja, ich weiß, ich gebe das auch alles zu, ich habe es eilig!“ Als die Polizisten der Autofahrerin, die keinen Führerschein dabei hatte, mitteilten, dass sie eine Anzeige wegen „Gefährdung des Straßenverkehrs durch grob verkehrswidriges und rücksichtsloses Fahren (§ 315c StGB) erheben würden, ließ die 59-Jährige die Beamten wissen, dass sie eine regional bekannte Künstlerin sei und die Polizisten deshalb “nicht so streng mit ihr sein sollen“. Allerdings ohne Erfolg.