Jim Dine ist mit seinen Herzen dabei

Folkwang-Museum Essen

Jim Dine ist stets mit seinen Herzen dabei. Wer ein fröhliches Poster für die eigene Wohnung sucht, stößt irgendwann garantiert auf die Motive dieses Weltstars der Kunst. Aber Jim Dine ist mehr als der Herr der Herzen. Das beweist die Grafik-Retrospektive "Jime Dine. About the Love of Printing" (Über die Liebe zum Drucken) im Folkwang-Museum Essen.

ESSEN

, 30.10.2015, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Jim Dine ist in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Geschenke allerdings hat nicht der Künstler, sondern das Museum bekommen: Jim Dine hat dem Essener Haus 230 Arbeiten gestiftet, die meisten sind in der Schau zu sehen.

Legere schwarze Kleidung, weißer Vollbart und an den Füßen Sneaker - ein sympathischer, geradezu knuffig wirkender Künstler hatte seine Ausstellung persönlich vorgestellt. "Great thrill and privilege", also einen großen Nervenkitzel und ein Privileg, nannte er die Arbeit des Druckens. "Malen ist einsamer Beruf", seufzte er. Beim Ducken könne er dagegen mit Freunden zusammenarbeiten.

Die knallbunten Holzschnitte sind teils riesig

Wer nun unter dem Begriff "Druckgrafik" mickrige kleine Stiche in Schwarz-Weiß befürchtet, wird hier eines Besseren belehrt. Die knallbunten Farbholzschnitte, Radierungen und Lithografien sind teils riesig.

Mit antiken Statuen hat sich Jim Dine beschäftigt, lässt die "Venus von Milo" - aufgelöst in kunterbunte Flächen - durch ein modernes Zimmer lustwandeln. Pinocchio hat ihn fasziniert. Akte mit starken Umrisslinien erinnern an Egon Schiele. Werkzeuge erzählen von seiner Familie (die ein Haushaltswarengeschäft hatte), Werkzeuge mit Schamhaaren im Saal nebenan wecken eher sexuelle Assoziationen.

Selbstporträts als Bademantel

Selbstporträts gibt es unzählige, die originellsten zeigen den Künstler als Bademantel. "Der Bademantel ist für ihn ein Platzhalter seiner selbst", erklärt Kurator Tobias Burg. Die Tiefe der Motive macht schnell klar, warum er sich trotz seiner Zusammenarbeit mit Claes Oldenburg in den 1960er- Jahren nicht als Pop-Artist fühlte: "Pop beschäftigt sich mit äußeren Dingen. Ich beschäftige mich mit inneren."

Das hinderte ihn allerdings nicht daran, ein Bild für seine Enkeltochter Nina mit drei chinesischen Hunden zu erschaffen. Im Hintergrund grüßt eine Comic-Figur: der starke Popeye.

Museum Folkwang Essen: "Jim Dine", Museumsplatz 1, bis 31.1.2016, Eintritt 5 Euro, Katalog 28 Euro, Di-So 10-18, Do/Fr bis 20 Uhr. Zu empfehlen ist die Kombination mit der Schau "Der Schatten der Avantgarde", bis 10.1.2016, Kombi-Ticket 10 Euro.

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