Jo Nesbøs «Blood on Snow» - Killer auf Abwegen

Ein Mann ist erfolgreich in seinem Beruf ? als Auftragskiller. Aber dann geht etwas schief, und die Hauptfigur im neuen Roman von Jo Nesbø gerät in einen Strudel abenteuerlicher Ereignisse.

Berlin (dpa)

von Von Axel Knönagel, dpa

, 29.09.2015, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der norwegische Erfolgsautor Jo Nesbø erzählt von einem minderbemittelten Auftragskiller. Foto: Angel Diaz

Der norwegische Erfolgsautor Jo Nesbø erzählt von einem minderbemittelten Auftragskiller. Foto: Angel Diaz

Der Norweger Jo Nesbø ist einer der erfolgreichsten Krimiautoren der vergangenen Jahre. Typisch für seine Bücher über den Polizisten Harry Hole und auch seinen letztjährigen Erfolgsroman «Der Sohn» ist ihre Düsternis. Nur selten gibt es einmal Momente der Freude oder gar Heiterkeit.

Nesbøs neuer Kurzroman «Blood on Snow: Der Auftrag» ist daher so etwas wie ein Aufbruch in eine neue Richtung. Das beginnt schon mit der Hauptfigur. Olav lebt Mitte der 70er Jahre in Oslo und ist gut im Geschäft - als Killer im Dienst eines Gangsterbosses.

Schon gleich die erste Szene das Romans zeigt ihn bei einem Auftrag. Olav ist gut bei dem, was er tut, und er hat auch keine moralischen Probleme: «Ich töte in der Regel Männer, die es auch verdient haben.» Hinzu kommt, dass Olav nicht der Allerschlaueste ist. Er bekennt freimütig, dass er Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben hat und als Rauschgiftdealer gescheitert ist, weil er nicht rechnen kann.

Aber, da ist er sich sicher, er hat ein gutes Herz. Immerhin ist er als Zuhälter gescheitert, weil er sich in die Prostituierten verliebte, auf die er aufpassen sollte. Eine junge Frau hat er sogar vor der Prostitution gerettet und fühlt sich immer noch als ihr Beschützer.

Aber das Töten fällt ihm leicht. «Das war der Virus in meinem Blut», erkennt er rückblickend, als er seinen ersten Mord beschreibt ? den an seinem Vater. So ist er auch nicht weiter beunruhigt, als ihm sein Boss einen neuen Mordauftrag gibt. Noch nicht einmal, als sich herausstellt, dass die Frau des Chefs sein nächstes Opfer werden soll. Unbeschwert macht er sich daran, seinen Auftrag zu erfüllen.

Aber dann geht alles schief. Er trifft die Frau, von der er schon immer geträumt hat. Und dann erschießt er auch noch den falschen Mann. Im Verlauf eines einzigen Telefonanrufs wird aus dem Jäger ein Gejagter.

Nesbø zeigt in kurzen, abwechslungsreichen Kapiteln, wie Olav seine Flucht in die Sicherheit plant. Dass diese ausgerechnet in der Weihnachtszeit eine Reise mit seiner Traumfrau in die Traumstadt Paris sein soll, ist eines der vielen ironischen Elemente des Romans.

Seinen Höhepunkt findet die Geschichte in einem wilden Showdown, passenderweise zwischen aufgebahrten Särgen im Untergeschoss einer Kirche. Auch hier gelingt Nesbø die Balance zwischen Spannung und Ironie. Manches ist vielleicht ein wenig zu überdreht, um in einen Thriller zu passen, aber alles in allem bietet «Blood on Snow» eine funktionierende Mischung aus Spannung und Unterhaltung.

- Jo Nesbø: Blood on Snow: Der Auftrag. Ullstein Verlag, Berlin, 187 Seiten, 12,99 Euro, ISBN 978-3-550-80877-7.