Johan Simons - Musiktheater ist sein Traum

Im Interview

Die Flüchtlingskrise hat alles verändert. Johan Simons Ruhrtriennale ist politischer geworden und der Intendant beschäftigt sich auch persönlich mit dem Thema Glauben. Im Gespräch gibt er außerdem einen vorsichtigen Ausblick auf seine Intendanz am Schauspielhaus Bochum.

BOCHUM

, 17.07.2016, 23:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Johan Simons leitet die Triennale bis 2017.

Johan Simons leitet die Triennale bis 2017.

Wie zeigt sich, dass die Ruhrtriennale politischer geworden ist?

Zum Beispiel, weil wir Carolin Emcke als Festspiel-Rednerin einladen. Zum Beispiel, weil wir Produktionen machen wie "Urban Prayers Ruhr", eine Aufführung, die in Gebetshäusern der Region stattfindet. Ich glaube, es ist wichtig, die unterschiedlichen Glaubensrichtungen, die wir haben, zur Diskussion zu stellen.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Glauben?

Ich hatte in der Vorbereitung für "Urban Prayers Ruhr" ein Gespräch mit dem Imam aus der Moschee in Duisburg-Marxloh und habe ihm erzählt, dass ich selber auch sehr gläubig erzogen wurde und jede Woche in die Kirche musste. Ich musste für jede Mahlzeit beten und danken, jeden Tag etwas aus der Bibel lesen - schwere Kost sozusagen. Aber im Alter von 12 oder 13 habe ich angefangen zu zweifeln und mich gefragt: Wenn es einen Gott gibt, warum ist die Welt dann so, wie sie ist? Damit habe ich den Imam konfrontiert und er antwortete: Ich habe nie gezweifelt. Für mich gehört das Zweifeln dazu, ich empfinde das als Teil der europäischen Kultur. Zweifeln ist gut.

"Urban Prayers" gab es schon in München. Wie haben Sie es auf das Ruhrgebiet bezogen?

Wir arbeiten auch mit neuen Texten. Ich glaube, es gibt kein Gebiet, wo so viele unterschiedliche Nationalitäten und Glaubensrichtungen zusammenleben wie im Ruhrgebiet. "Urban Prayers Ruhr" ist auch ein Projekt, mit dem wir rausgehen wollen aus den Kultur-Tempeln und auf die Leute zugehen möchten. Unser Problem ist, dass wir das nur sechs Wochen im Jahr tun können.

Am Stadttheater hätten Sie dafür mehr Zeit.

Am Schauspielhaus Bochum möchte ich diese Vorgehensweise intensivieren.

Sie wollen während Ihrer Intendanz ab 2018 also Theater in der Stadt machen?

Das schon. Aber ich finde auch, dass das Schauspielhaus Bochum das schönste Theater Deutschlands ist. Diese Architektur von außen! Und der Saal! Als Student bin ich oft nach Bochum gefahren, um Peymanns und Zadeks Theater anzugucken. Das Haus hat immer noch diese Grandeur, es ist wirklich ein Juwel. Ich will es zu einem Theater machen, auf das man neugierig ist.

Wie wollen Sie die Neugier schüren?

Ich habe mir überlegt, dass ich das auch in kleinen Kreisen tun will. Ich nehme Einladungen von Bürgern aus der Stadt an, die dann zwölf weitere Gäste einladen und wir sprechen über das Schauspielhaus und sein Programm. So etwas spricht sich rum.

Sie inszenieren mit "Alceste" und "Die Fremden" zwei Musiktheater-Stücke. Ist das Ihr bevorzugtes Genre?

Es war und bleibt mein Traum, das war bei Hollandia schon so. Ich werde bestimmt auch am Schauspielhaus Bochum viel Musiktheater machen. Wenn ich den Bochumer Symphonikern glaube, ist es dafür sehr gut geeignet.

Wie finden Sie Musik, die ausdrücken kann, was Worte nicht vermögen?

Das Kennzeichen meines Musiktheaters ist, dass die Musik eine eigene Ebene bildet. Ich wollte immer mit Reinbert de Leeuw zusammenarbeiten und dem Asko Schönberg Ensemble. Er ist unglaublich begabt.

Wir haben neben Werken von Mauricio Kagel und György Ligeti für den Kern der Inszenierung "Die Fremden" das Stück "Bouchara" von Claude Vivier ausgewählt. Alle drei Komponisten waren Außenseiter, haben von außen auf Europa geschaut. Wir wollen zeigen: Die europäische Kultur ist nicht der Anfang und das Ende der Welt, sondern ein Teil von ihr.

Schlagworte:

Dortmund am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.