Johnny Depp ist in "Black Mass" der Pate von Boston

Im Kino

Gangster nach realem Vorbild hat Johnny Depp schon gespielt, den Koksdealer in "Blow", den Dillinger mit der Tommy Gun in "Public Enemies". Im Kern waren das nette Kerle, kein Vergleich mit James Bulger, den Depp in "Black Mass" verkörpert: Bulger ist ein schmieriger Brutalo, der jederzeit explodieren kann.

16.10.2015, 15:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Johnny Depp ist in "Black Mass" der Pate von Boston

Auch das Ekel James Bulger (Johnny Depp) hat eine Freundin (Datkota Johnson als Lindsey Cyr).

Er stranguliert Leute, setzt Kopfschüsse, gibt Befehle wie "Brecht die Zähne raus, verscharrt ihn neben der Hure". Die Gefährlichkeit der Figur manifestiert sich über ihre Körperlichkeit. Bulger trägt das schüttere Haar nach hinten gekämmt, die Maske hat Depp einen großporig schuppigen Teint verpasst, der wie Teig glänzt.

Das Abstoßendste an Bulger sind aber seine Augen. Depp trägt wohl Linsen, die der Iris ein kaltes Blau geben und Bulgers Blick wie den einer Echse aussehen lassen. Zum Fürchten. Ein absolut finsterer Charakter, Depps beste Leistung seit Jahren.

König der Unterwelt

In den 80er-Jahren stieg James Bulger zum König in Bostons Unterwelt auf, dank einer heimlichen Allianz mit dem FBI. Bulger liefert die Paten der Italo-Mafia ans Messer, dafür drücken die Ermittler beide Augen zu. Joel Edgerton ist als Bulgers Sandkastenfreund vom FBI zu sehen, der ihn protegiert, bis er heillos verstrickt ist in Bulgers Machenschaften.

Keine emotionale Wucht

Regisseur Scott Cooper holt aus zu einer Crime-Saga, die das Verbrechen als Geflecht lokaler Freundschafts- und Familienbande erklärt. Die Iren aus South Boston gegen "die Itaker" im Norden. Cops kungeln mit Ganoven, Bulgers Bruder (Benedict Cumberbatch) macht Karriere in der Politik. Boston als Ort schmutziger Geschäfte - grau, trist und hässlich sieht die Stadt in den Bildern von Masanobu Takayanagi (Kamera) aus.

Den Mafia-Epen eines Martin Scorsese ("Good Fellas") kann "Black Mass" nicht das Wasser reichen. Es fehlt die inszenatorische Raffinesse, die emotionale Wucht. Kaum eine Figur ist tiefer aufgebrochen. Die Lebenswirklichkeit der Gangster (die Scorsese bis in den Rhythmus transportiert) bleibt vage, Bulgers Inkasso-Quellen kennen wir nur vom Hörensagen. Herausragend immerhin Johnny Depp.