„Jonny spielt auf“ mit feiner Ironie inszeniert

Theater Hagen

Als 1938 die Nazis nach der „entarteten Kunst“ auch die „entartete Musik“ in einer Ausstellung brandmarkten, da war es jener schwarze Jonny, der als Inbegriff für „Negermusik“ herhalten musste.

HAGEN

von Von Karsten Mark

, 17.01.2016 / Lesedauer: 2 min
„Jonny spielt auf“  mit feiner Ironie inszeniert

Kenneth Mattice spielt als Jonny auf.

Daran und auch an den seltenen Aufführungen mag es liegen, dass Ernst Kreneks Erfolgsstück „Jonny spielt auf“ von 1927 bis heute das Etikett der Jazz-Oper anhaftet. In Wahrheit steckt wenig dahinter.

So scheint es durchaus legitim, wenn Regisseur Roman Hovenbitzer einen weißen Jonny auf die Bühne im Theater Hagen schickt. Auf das Saxofon aber verzichtet die Regie nicht - obwohl Jonny eigentlich der Geiger der Jazzband ist.

David-Garrett-Version

In der Inszenierung am Theater Hagen hätte ihm die Geige besser gestanden. Denn mit Gelfrisur, gestutztem Bart, schniekem Anzug und goldenen Schuhen gleicht er der überzeichneten Version eines David Garrett.

Das Saxofon hingegen ist nur schwach motiviert. Im Orchester ist es zwar vorhanden, aber nur als dezente Zusatzfarbe - so wie alles, was weitläufig an Jazz erinnert in Kreneks Partitur. Die vermeintliche Jazz-Oper ist in Wirklichkeit eine moderne Oper ihrer Zeit mit sparsam eingesetzten Einsprengseln nach damaliger Mode.

Das eigentliche Thema findet sich eher in den Gletscher-Szenen der autobiografisch gefärbten Komponistenfigur Max, die vom "schönen Berg" angezogen wird - eine Anspielung auf Arnold Schönberg.

Triviale Liebesgeschichte

So tiefschürfend das Ringen des melancholischen Komponisten mit sich selbst auch erscheint, so trivial ist in weiten Teilen die Liebesgeschichte um Sängerin Anita, Nebenbuhler Daniello und dem abgebrühten Jonny.

Hovenbitzer inszeniert mit feiner Ironie, handwerklicher Finesse und ohne historisch-politische Bezüge außerhalb des Librettos. Darüber, dass Kreneks früher Strohfeuer-Erfolg auch so manche Längen hat, kann auch er nicht hinwegtäuschen.

Termine: 30.1., 4./14./ 19./ 24.2., 9.3., 2.4.; Karten: Tel. (02331)2073218.