Joyce DiDonato erhellte Zeit des Chaos durch Barockmusik

Philharmonie Essen

Joyce DiDonato hat eine Mission: Die amerikanische Diva will mit barocken Arien die Welt von heute verändern, die Menschen "in Zeiten des Chaos" hoffnungsvoll stimmen.

ESSEN

, 28.05.2017 / Lesedauer: 2 min
Joyce DiDonato erhellte Zeit des Chaos durch Barockmusik

Theatralisch gebärdend und zur Amazonenkriegerin geschminkt präsentierte sich Joyce DiDonato im ersten Konzertteil.

"In War and Peace - Harmony through Music" heißt das Programm, mit dem die charismatische Sängerin am Samstag in der Philharmonie Essen fast alle wunschlos glücklich machte.

Im ersten, dem "Kriegs"-Teil, packte sie das Publikum mit ihrer ausdrucksstarken, geschmackvoll geführten, flexiblen Stimme und durchlebte in zum Teil pausenlos aneinandergereihten Arien ein Wechselbad der Gefühle.

Wütend-zupackende Kämpferin

Da war sie in "Scenes of Horror" aus Händels "Jephtha" eine stimmgewaltige, wütend-zupackende Kämpferin und in Purcells "Dido and Aeneas" ein eindringlich leidendes Opfer. Selbst Händels so abgenudeltes "Lascia ch’io pianga" wurde durch Schlichtheit des Vortrags zum ergreifenden Ereignis.

Ausgerechnet während der beiden letztgenannten Stücke verließen vereinzelte Zuhörer den Saal. An der Performance durch DiDonato und das stilsicher begleitende Barockensemble "Il Pomo d’Oro" unter Maxim Emelyanychev lag das sicher nicht. Vielleicht aber am fast permanent von der Bühne kommenden Nebel. Oder der Reizüberflutung: Denn zur als Amazonenkriegerin geschminkten, sich theatralisch gebärdenden Sängerin gab es auch noch einen Tänzer, Lichteffekte, Videoprojektionen und deutsche Übertitel.

Freudige Koloratur-Feuerwerke

Im "Frieden"-Teil malte DiDonato mit Händels "Crystal streams" eine sanft wogende pastorale Idylle. Bei "Augelletti, che cantate" kurz durch eine virtuos zwitschernde Sopranino-Blockflöte in den Schatten gestellt, schoss die Sopranistin danach in zwei Arien freudige Koloratur-Feuerwerke ab.

Ihr abschließendes Plädoyer für Hoffnung, Mut und Entschlossenheit unterstrich sie innig-zart mit einem Lied von Richard Strauss: "Und morgen wird die Sonne wieder scheinen…".