Jüngste beim Autoren-Wettbewerb: Luna Ali

"In Zukunft II"

Es geht um Inzest, Krieg und Sprachlosigkeit - "Alles fließt" ist der Arbeitstitel von Luna Alis Theaterstück, mit dem sie sich beim Wettbewerb für Autoren mit Migrationshintergrund "In Zukunft II" des Westfälischen Landestheaters (WLT) beworben hatte (wir berichteten).

BOCHUM

von Von Britta Helmbold

, 21.04.2014 / Lesedauer: 3 min
Jüngste beim Autoren-Wettbewerb: Luna Ali

Luna Ali in ihrem Stammcafé Ferdinand in Bochum.

Und der Titel bezeichnet - nach den ersten Workshops mit Professorin Maxi Obexer von der Universität der Künste Berlin - auch recht gut den Stand der Arbeit an dem Drama: "Das Stück ist derzeit in einem losen Zustand, wie ein Granatapfel, den man aufmacht und Teile herausfallen", erzählt die 21-Jährige, die in Bochum mit einem Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung Komparatistik und Orientalistik studiert.

"Ich möchte an der Liebesgeschichte der Zwillinge, Elena und Edgar, die die Berichte über den Krieg einschließt, festhalten", sagt die junge Frau, die in Aleppo geboren wurde und seit 2001 in Deutschland lebt, seit 2010 mit deutschem Pass. Die Thematik Krieg habe sie nicht nur wegen Syrien gewählt.

Die Passagen, die in ihrem Stück vom Krieg erzählen, stammen aus Henri Barbusses Texten vom Ersten Weltkrieg. "Über den Krieg muss man authentisch schreiben, das kann ich nicht, ich kenne nur Berichte über den Krieg, da gibt es keine Parallelen aus meinem Alltag", und sie führt weiter aus: "Beim Thema Inzest ist das anders, jeder hat schließlich schon mal geliebt."

Die Idee zu ihren beiden Figuren entwickelte Luna Ali beim Workshop "Szenisches Schreiben" während des Treffens junger Autoren 2012 in Berlin. "Es war eine typische Übung mit Bildern und meine Figur sah sehr androgyn aus, dadurch kam ich auf die Idee, dass es Zwillinge sein könnten, und habe das weiter gesponnen."Erste Geschichte diktiert

Mit dem Schreiben beschäftigt sich Luna Ali schon länger. "Mit sieben habe ich meinem Vater die erste Geschichte diktiert - über unsere Reise nach Deutschland. Ich war von den Rolltreppen auf dem Flughafen total fasziniert, die gab es damals in Syrien nicht." Sie versuchte sich als Poetryslammerin: "Die Texte sind sehr performativ, ich lache zwar gern, kann aber keine Witze erzählen." Außerdem ging es ihr zu sehr in Richtung Comedy und ihre Beiträge wurden zu lang: "Man hat ja nur sieben Minuten. Ich habe das Gefühl, meine Texte wirken mehr, wenn man sie liest, als sie nur zu hören." Eine Kurzgeschichte von ihr erschien bereits in der Anthologie zum Berliner Treffen junger Autoren 2012.Innere Monologe

In ihrem Drama-Entwurf gehen die Dialoge immer wieder in innere Monologe der Protagonisten über: "Ich komme ja von der Prosa und Dialoge sind sehr schwer zu schreiben, da läuft so viel Subtext mit." Zum Theater kam Luna Ali über die Schule: "Wir haben ,Creeps' von Lutz Hübner gelesen, ich fand´s furchtbar, doch als ich es dann im Schauspiel Hannover gesehen habe, war es wunderbar." Daraufhin macht sie bei Jugendclub-Produktionen mit, unter anderem bei Nurkan Erpulat, - spielt Theater, schreibt Texte.

Auch in ihrer neuen Wahlheimat Bochum ist die umtriebige Studentin aktiv - organisiert die Festivals Fuchsbau und Rundlauf Bochum mit. Deshalb habe sie nicht so viel Zeit, wie sie sich wünscht, um an ihrem Stück weiter- , den Konflikt stärker herauszuarbeiten.

In den monatlich stattfindenden Workshops werde jedes Stück diskutiert, aber ein Bonus als Jüngste der Wettbewerbsteilnehmer habe sie nicht. "Es ist sehr hilfreich, auch wenn man es nicht sofort erkennt, man muss dann für sich die Ideen aussortieren, Entscheidungen treffen."

Zwischen den Treffen werden neue Szenen geschrieben oder das Stück umgebaut. "Ich bin selber gespannt, wie es weitergeht, vielleicht schicke ich auch Elena und nicht Edgar in den Krieg."