Jugendamt will schneller Geld aus dem Bildungspaket verteilen

Teilhabe ermöglichen

Im vergangen Jahr hat die Stadt noch 3,5 Millionen Euro aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zurückzahlen müssen. Nicht gebraucht. Dabei ist der Bedarf da. Es gab zu wenig Anträge. Deswegen soll das Verfahren weiter vereinfacht werden.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 04.09.2012, 08:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jugendamt will schneller Geld aus dem Bildungspaket verteilen

Das Jugendamt wünscht sich, dass mehr Kinder vom Bildungspaket profitieren.

Immerhin 6500 Kinder hätten bislang Unterstützung erhalten, teils mehrfach. Doch angesichts von circa 17 000 Kindern aus finanzschwachen Familien, die einen Anspruch haben, ist noch viel Luft nach oben. Darum soll das Verfahren nun weiter vereinfacht werden. Zuletzt war bereits die Zuständigkeit Anfang des Jahres beim Jugendamt gebündelt worden. Nun soll Eltern der Gang zum Amt teilweise komplett erspart werden. „Mit den Trägern der Mittagsverpflegung an offenen Ganztagsschulen haben wir vereinbart, dass die Berechtigung für das Paket direkt an den Schulen geprüft wird“, so Köllner. Eltern müssen dann nicht erst einen Vertrag mit dem Essenslieferanten schließen und dann den Antrag stellen. „Es ist ein Pilotprojekt“, so Köllner. Wenn es gut läuft, soll dieses System auch bei Kindergärten eingeführt werden.

Zudem sind Susanne Köllner und ihre Mitarbeiter ab Ende September in den Bezirken vor Ort. Mit Sprechstunden in den Bezirksverwaltungsstellen. Jeden vierten Mittwoch von 8 bis 13 Uhr in Wattenscheid, Linden, Weitmar und Langendreer. Jeden vierten Montag in Querenburg und jeden vierten Donnerstag von 14 bis 18 Uhr im Amtshaus Gerthe. „Damit wollen wir den Aufwand für einen Antrag verringern“, sagt Köllner. „Wir haben von Eltern gehört, dass sie einen Antrag für den Wandertag nicht gestellt haben, weil dieser mit beispielsweise sieben Euro kaum teurer war als die Fahrtkosten in die Innenstadt.“ Die Sprechstunden in den Bezirken sollen mitunter ausgeweitet werden. Auch die Landesregierung hat nachgebessert in Sachen Bildungspaket. Die Lernförderung ist nun nichtmehr an die Versetzung gekoppelt (RN berichteten) und wird ab dem ersten Schultag gewährt. „Darüber bin ich besonders froh, denn anderenfalls ist es für die Nachhilfe oft zu spät“, so Köllner. Eine Empfehlung der Schule ist aber weiterhin Voraussetzung.

Der Fonds der Landesregierung richtet sich an Familien mit Kindern, die zwar keine Sozialleistungen beziehen, aber deren Einkommen sich abzüglich aller Kosten nahe am Harz-IV-Satz bewegt. Auch in diesen Fällen soll das Mittagessen an der Schule zu großen Teilen bezahlt werden. Die Eltern beteiligen sich wie beim Bildungspaket mit einem Euro pro Tag, der Rest wird aus dem Fonds bezahlt. Das Unterstützungsprogramm ist gerade um ein Jahr verlängert worden. Eltern können noch bis zum 15. September einen Antrag im Servicecenter Bildung und Teilhabe, Junggesellenstraße 8, Zimmer 48 stellen. Beratung gibt es im Jugendamt der Stadt.