Jugendliche vertreiben Priester aus der Stadt

Nachbarschaftsterror in Bochum

QUERENBURG Noch in den nächsten Tagen wird Aleksejs Ribakovs (33) mit seiner Familie die Stadt verlassen. Hals über Kopf. Die Angst um das Wohl seiner beiden Kinder Daniel (4) und Alexandra (7), auch um das seiner Frau Carina (32), ist zu groß. Denn seit fünf Jahren wird der russisch-orthodoxe Priester in seinem Wohnumfeld in Querenburg terrorisiert und schikaniert.

von Von Christoph Walter

, 20.10.2009, 17:35 Uhr / Lesedauer: 1 min

Ein Überfall am Sonntagabend brachte das Fass zum Überlaufen. "Ich will nicht, dass meinen Kindern etwas zustößt", sagt der Geistliche. "Das wird mir hier zu gefährlich, die Polizei kann uns ja auch nicht Tag und Nacht beschützen." Er beugt sich dem Terror in der Nachbarschaft, kehrt der Stadt, in der er seit zehn Jahren wohnt, den Rücken zu.Ins Gesicht gespuckt

Drei Jugendliche hatten sich am Sonntag auf den jungen Priester gestürzt, als er aus seinem Auto stieg. Erst hagelte es laut Ribakovs "übelste Beleidigungen". Dann seien die Täter handgreiflich geworden, hätten ihm vor die Brust geschlagen, ihm ins Gesicht gespuckt. Den Grund für die Attacke hätten sie dem Mann im schwarzen Priester-Gewand unverblümt deutlich gemacht: "In unserem Viertel darfst du dich so nicht blicken lassen", sollen sie gepöbelt haben.

Religiöse Beweggründe vermutet Ribakovs auch hinter den schlimmen Vorfällen in der Vergangenheit: Sein Auto ist mit Kot beschmiert und mehrfach demoliert worden. "Immer wieder haben mich Unbekannte auf offener Straße heftig angefeindet, bedroht und beschimpft", berichtet er. Bei der Polizei hat er schon mehrmals Anzeige erstattet. Nach dem Überfall am Sonntag laufen Ermittlungen.

"Jetzt reicht's mir endgültig." Ribakovs sieht sich zur Flucht aus Bochum genötigt. Getrieben von dem Gefühl der permanenten Bedrohung - und von der Angst um seine Liebsten.