Jugendlichen Grenzen setzen

WITTEN Kieferbrüche und üble Platzwunden - auch in Witten ist die Jugendgewalt ein Thema. Einige Gruppen versauen das gesamte Bild“, sagt Ralf Tietz, der Leiter des Jugendkommissariats, allerdings einschränkend.

von Von Susanne Linka

, 17.01.2008, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jugendlichen Grenzen setzen

Die breite Masse habe damit nichts zu tun. Doch manche Jugendlichen ziehen in Gruppen durch die Gegend und fühlen sich stark. Sie gehen aufeinander los oder suchen sich auch Opfer, die außen stehen. „Die Täter finden sich in allen Bevölkerungsgruppen und Nationalitäten.“ Auffällig seien oft auch deutsche Jugendliche, die in Wohngruppen leben.

Die Brutalität  hat zugenommen

Im Vergleich mit früheren Jahren habe nach Einschätzung des Beamten die Anzahl und die Brutalität bei solchen Delikten nicht unbedingt zugenommen: „Nur früher war nicht gleich jemand mit dem Handy zur Stelle, der das melden konnte.“ Unterm Strich sei die Situation in Witten noch überschaubar. Und überhaupt: „Wenn man den Tätern mal ordentlich auf die Füße tritt, dann hört es auch auf.“

Damit plädiert Tietz wie so viele in diesen Tagen dafür, dass die jungen Gewalttäter früher erfahren müssen, wann sie ihre Grenzen überschreiten. „Sie müssen Konsequenzen fühlen, und zwar zügig nach der Tat“, fordert der Kriminalbeamte. Er hat es schon oft beobachtet, wie Jugendliche sich vor den Vernehmungen in der Polizeiinspektion gut gelaunt „abklatschen“ und sich amüsieren: „Sie merken nicht, wann sie die Grenzen überschreiten.“ Und sie wüssten auch, wie sie sich vor Gericht verhalten müssen.

Gesetzliche Möglichkeiten werden nicht ausgeschöpft

Die gesetzlichen Möglichkeiten seien allerdings ausreichend, würden nur oft nicht ausgeschöpft. Häufig werde ein Wochenendarrest verhängt: „Dafür fehlen die Räumlichkeiten, denn Kinder dürfen nicht in Zellen gesperrt werden.“ Die Plätze in den Jugendarrestanstalten sind andererseits knapp. So vergeht oft viel Zeit bis zum Antritt der Strafe.

Ralf Tietz sieht das mit Sorgen, denn: „Wer merkt, dass er sich mit Gewalt recht problemlos durchsetzen kann, für den ist es nur ein kleiner Schritt bis zum Kiosk-Einbruch und zum Handtaschenraub.“

Wenn aus den Jugendlichen Erwachsene werden verlagert sich die Gewalt oft in die Familie. Ein weiterer Brennpunkt für die Polizei. Der Kommissariatsleiter wünscht sich zur Abschreckung mehr Präsenz an den bekannten Treffpunkten der Jugendlichen. Doch er ist sich bewusst, dass die Personalknappheit da Grenzen setzt.