Jugendlicher Testkäufer bekommt Wodka

WITTEN „Das schmeckt gut, trinke ich auch gerne“, sagt die Kassiererin lächelnd und verkauft dem 16-jährigen Jan die Flasche whiskeyhaltigen Bailey's.

von Von Dominic Pakull

, 11.11.2007 / Lesedauer: 2 min
Jugendlicher Testkäufer bekommt Wodka

Testkäufer Jan mit seinem „Einkauf“.

Zusammen mit der 14-jährigen Yvonne (Name geändert) war er am frühen Samstagabend als Testkäufer für die Junge Union in Witten unterwegs. Das Ergebnis der kleinen Stichprobe mit zehn Testkäufen in insgesamt vier Wittener Supermärkten/Discountern sowie an einer Tankstelle: Nur in drei Fällen wurde das Jugendschutzgesetz eingehalten.

Ansonsten bekam der 16-Jährige brandweinhaltige Getränke, die erst ab 18 verkauft werden dürfen, darunter eine Flasche Wodka. Und auch die 14-Jährige konnte dreimal „erfolgreich“ Sekt und Mischgetränke erstehen.

Junge Union möchte Diskussion anstoßen

„Das hat unsere Befürchtungen sogar noch übertroffen. Wir haben den Vorschlag von Bundesfamilienministerin von der Leyen aufgegriffen, um eine breite öffentliche Diskussion in Witten über das Thema anzustoßen“, erklärt Tobias Grunwald, Sprecher der Jungen Union (JU) in Witten. Konsequenzen für die eigene Aktion fürchte er nicht. Der Vorstoß der Familienministerin, jugendliche Testkäufer einzusetzen, löste heftige öffentliche Reaktionen aus und wurde schließlich zurückgenommen.

Die Eltern der beiden Jugendlichen waren einverstanden mit der Test-Aktion. „Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass es nicht reicht, sich darüber aufzuregen, wenn die Jugendlichen mit dem Alkohol beispielsweise auf dem Rathausplatz herumhängen, sondern dass man sich auch mit der Frage beschäftigen muss, woher, sie diesen bekommen“, so JU-Sprecher Grunwald.

Bürger sollen mithelfen

Um die Alkohol-Abgabe an Minderjährige zu verhindern, seien auch ein geschärftes Bewusstsein und eine „informelle“ Kontrolle durch die Bürger erforderlich. Daher möchte die Junge Union dieses Problemfeld weiter thematisieren.

So soll am 29. November im Ratskeller eine Diskussionsrunde mit Vertretern der Geschäftsleute, des Jugendamtes sowie einem Arzt oder Psychologen stattfinden. Lars König, Ratsmitglied der Wittener CDU, will sich zudem dafür einsetzten, dass das Jugendamt die Kontrollen verstärkt.