Juliane Banse als Agathe im "Freischütz"

Konzerthaus Dortmund

DORTMUND Seit 18 Jahren ist Juliane Banse die Pamina vom Dienst. In der konzertanten Aufführung von Webers "Freischütz" gibt sie am 16. Mai im Konzerthaus Dortmund ihr Rollendebüt als Agathe. RN-Mitarbeiterin Julia Gaß sprach mit der 39-jährigen Sopranistin.

von Von Julia Gaß

, 08.05.2009, 23:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Den charakterlichen Facetten der Agathe aus dem "Freischütz" geht Juliane Banse auf den Grund. In der Aufführung im Konzerthaus gibt die 39-Jährige ihr Debüt.

Den charakterlichen Facetten der Agathe aus dem "Freischütz" geht Juliane Banse auf den Grund. In der Aufführung im Konzerthaus gibt die 39-Jährige ihr Debüt.

Frau Banse, Sie sagen, Sie seien "reif für die älteren Schwestern". Was reizt Sie an der Agathe?

Banse: Ich hatte lange Vorbehalte gegen diese Frau, weil ich sie zu leidend und passiv fand. Aber wenn man sich näher mit ihr beschäftigt, erkennt man, wie viele Nuancen und Facetten sie hat. Weber hat viele unterschwellige Dinge da hinein komponiert - auch um an der Zensur vorbei zu kommen.

Es ist auch Ihre erste Zusammenarbeit mit Dirigent Thomas Hengelbrock.

Banse: Ja, ich empfinde es als luxuriös, dass wir fast eine Woche Zeit für die Musik haben. Wir hatten schon musikalische und szenische Proben in Baden-Baden und proben in Dortmund mit dem Mahler Chamber Orchestra. Wir verstehen uns ohne viele Worte. Es ist sehr plausibel, wie Hengelbrock den Freischütz macht. Er malt nicht mit dickem Pinsel, in seinem Freischütz sind viele Aquarellfarben, das ist kein 19. Jahrhundert-Gebrüll.

Sie haben mal gesagt, "Harry Kupfer hat mich empfindlich gemacht für schlechte Regisseure". Der "Freischütz" ist eine Koproduktion mit dem Festspielhaus Baden-Baden, wo er am 30. Mai und 1. Juni in der Inszenierung von US-Regisseur Robert Wilson zu sehen ist, am 1. Juni auch live bei arte. Wilson gilt nicht gerade als konservativer Regisseur.

Banse: Mit schlechten Regisseuren meinte ich die Unvorbereiteten, die mit CD-Booklet inszenieren und die Musik nicht kennen. Wilson hat eine total andere Ästhetik. Er will nicht die Geschichte des Stückes erzählen, er stellt auch keine Charaktere auf die Bühne. Seine Inszenierung erzeugt große Spannung und lässt uns die Musik von Weber vielleicht anders hören. Für mich ist das eine komplett andere Erfahrung und erfordert großes Umdenken.

Sie sind mit Dirigent Christoph Poppen verheiratet und haben mit ihm zwei Söhne. Sie arbeiten aber genau so selten mit ihm zusammen wie ihre Mezzokollegin Magdalena Kozená mit ihrem Ehemann Sir Simon Rattle.

Banse: Es ergibt sich nicht so oft, aber wenn wir was zusammen machen, genießen wir es sehr. Beim Saarland-Festival machen wir an diesem Samstag Bernsteins Kaddisch-Sinfonie zusammen.

Karten für den konzertanten "Freischütz" in Dortmund am 16. Mai um 19 Uhr gibt es unter Tel. (0231) 22 69 62 00.