Junge im Schrank: Polizeibeamtin berichtet von bizarren Details

rnLandgericht Bochum

Im Prozess um den Fall Marvin kommen immer weitere bizarre Details ans Licht: Der vorbestrafte Angeklagte soll schon früher immer wieder Kinder zu sich eingeladen haben.

Bochum

, 26.08.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rechtsradikale Gedanken, widerliche Tierquälereien und immer wieder Fußballkinder zu Gast: Mit weiteren Enthüllungen über angeblich frühere Zustände im Haushalt Lars H. aus Recklinghausen ist am Bochumer Landgericht der Prozess um den Fall Marvin fortgesetzt worden. Eine Polizeibeamtin berichtete am Mittwoch von Zeugenbefragungen im Umfeld des Angeklagten.

Ratten am Schwanz gepackt und aus dem Fenster geworfen

Eine ehemalige Mitbewohnerin von Lars H. hatte der Beamtin am Rande einer Befragung erklärt, dass der 45-Jährige im Beisein eines ganz bestimmten Jugendlichen, der schon vor Jahren regelmäßig in Recklinghausen zu Besuch gewesen sei, ständig „Blödsinn“ veranstaltet habe.

„Die haben Ratten eingekauft, am Schwanz gepackt und aus dem Fenster geworfen“, hatte die Ex-Mitbewohnerin in ihrer Vernehmung erklärt. Der Jugendliche, so hatte es auch ein ehemaliger Nachbar erinnert, soll bei Lars H. eine Art Sonderstellung eingenommen haben: „Wenn der Junge Wünsche äußerte, wurden sie ihm erfüllt.“

„Der war fix und fertig, hat nur noch geweint"

Die Befragung dieses Jugendlichen hat die Polizeibeamtin bis heute nicht vergessen. Der junge Gerüstbauer sei ihr zuerst breitbeinig und als „cooler Kappenträger“ entgegengetreten – und dann aber völlig in sich zusammengebrochen. „Der war fix und fertig, hat nur noch geweint", so die Polizeibeamtin. „Mein Kollege und ich waren uns sicher, dass da was war.“ Doch von sexuellen Übergriffen habe der Gerüstbauer nie etwas berichtet, allenfalls gegenseitige „Knutschflecke“ offenbart.

Und sonst über den Angeklagten? „Der hat viel über den BVB erzählt. Und da er eine rechte Ader hatte, war er stolz darauf, dass er bei der Bundeswehr gewesen ist“, soll der Jugendliche erzählt haben. Der Jugendfußball in Recklinghausen sei es auch gewesen, über den er den Angeklagten vor Jahren kennengelernt habe: „Er hat immer allen Fußballkindern angeboten, zu ihm nach Hause zu kommen.“ Dort durften sie dann angeblich rauchen und PC-Spielen.

Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen

Der im Prozess schweigende Lars H. soll den anfangs 13-jährigen Marvin jahrelang in seiner Wohnung in Recklinghausen versteckt und hundertfach missbraucht haben.

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