Junior-Car-Company restauriert Wartburg

DDR-Klassiker

Die Junior-Car-Company ist ein Projekt der Matthias-Claudius-Schule. Sie ist aber eigentlich noch viel mehr. Ein eigenständiges Unternehmen, das Autos restauriert und dann versteigert. Nachdem die Schüler vor drei Jahren einem Mazda MX-5 und einem VW Passat im Jahr darauf zu neuem Glanz verholfen haben, ist jetzt ein Wartburg 1.3 von 1989 dran.

BOCHUM

von Von Karim Laouari

, 28.12.2011, 06:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Auto wehrt sich. Christian und Leonard zerren an dem kleinen Seitenfenster. Die beiden haben schwarze Hände vom Schmieröl und rutschen immer wieder ab. Dann kommt Thomas Boutter ihnen zur Hilfe. Der Kfz-Meister rüttelt kräftig an dem Eckfenster. Ein Ruck. Das kleine Stück Glas gleitet aus dem Rahmen des 22 Jahre alten Wartburg.  „Ein Auto, das auffällt und Emotionen weckt“, beschreibt Jörg Dirksmeyer, Geschäftsführer des Automobilcenters Dirksmeyer & Venne. Er hat das Auto über Ebay ersteigert und stellt der Junior-Car-Company seine Werkstatt jeden Montagnachmittag zur Verfügung.

Noch weckt der Wartburg höchstens eine Emotion: Mitleid. Viel ist nicht übrig vom einstigen Luxusauto des Arbeiter- und Bauernstaates. An jeder Seite fehlt ein Stück der Karosserie. Der Rücksitz liegt voll mit undefinierbaren Wagenteilen und aus dem Kofferraum hängt Plastikfolie. Er springt noch nicht einmal von alleine an. Mit einer Starthilfebatterie erweckt Thomas Boutter den ehemaligen Traum in papyrus-weiß zum Leben. Die Szene erinnert an einen Patienten, der reanimiert wird. Aber dann läuft er. Friedlich tuckert der Vierzylindermotor vor sich hin. Hier arbeitet ein VW-Motor. „Alles original“, versichert Boutter. „Den Motor für die letzte Wartburg-Reihe lieferte Volkswagen“, erklärt der Kfz-Meister.

Er kennt die Vorzüge des Klassikers im biederen Metallkleid: „Das Auto ist total einfach aufgebaut und deswegen mit den simpelsten Werkzeugen komplett zerlegbar“, sagt Boutter. Perfekte Voraussetzungen für die beiden Einsteiger Leonard und Christian. Die Zehntklässler schrauben seit Oktober an dem Wartburg herum. Heute sind die Türen und Fenster an der Reihe, damit der Wagen über Weihnachten zum Lackierer kann. Beide Schüler haben schon erste Erfahrungen gesammelt, Leonard bei der Bogestra und für Christian ist es sogar schon der zweite Klassiker. „Ich habe schon an einem Opel Manta rumgeschraubt“, verrät er.

Was ein Wartburg überhaupt ist, das mussten beide trotzdem erst googeln. Dann stand aber schnell fest: Das Werkeln am DDR-Klassiker macht richtig Spaß. Kursleiter Thomas Boutter sieht in dem Projekt eine gute Chance für die Jugendlichen: „Die Schüler bekommen einen Einblick ins Arbeitsleben, sie müssen Durchhaltevermögen beweisen, sind gefordert“, beschreibt er. Eine praktische Berufsorientierung, die auch Leonard und Christian bei ihrem Berufswunsch geholfen hat. Christian will nach seinem Abschluss eine Ausbildung zum Automechaniker machen und Leonard will Ingenieur werden.

Ob sie sich selbst einen Wartburg zulegen würden, da sind sich die Schüler nicht sicher. „Wenn ich das nötige Geld hätte vielleicht“, überlegt Leonard. Das muss im Frühjahr 2012 aber erst einmal jemand anderes haben. Dann wird der restaurierte DDR-Klassiker versteigert. Und dagegen kann er sich dann auch nicht mehr wehren.