Jurist fordert, Senioren über Täter-Herkunft zu informieren

Trickbetrug

Die Täter bitten um Spenden, zeigen Listen, Prospekte und betteln um Hilfe: Mit dem "Klemmbrett-Trick" und anderen Maschen wurden in den letzten Woche vermehrt ältere, arglose Menschen betrogen. Jurist Peter Löffler möchte die potenziellen Opfer warnen. Sein Ansatz ist es, über die Täter-Herkunft zu informieren.

WITTEN

von Von Beatrice Haddenhorst

, 28.04.2012, 07:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit vermeintlichen Spendenlisten werden Opfer abgelenkt.

Mit vermeintlichen Spendenlisten werden Opfer abgelenkt.

„Diese Diebe gehören zu Großfamilien aus Rumänien, Bulgarien und Teilen Ex-Jugoslawiens wie Mazedonien, Serbien und Montenegro“, weiß Löffler aus seinem Berufsalltag als Vorsitzender Richter einer Strafkammer am Bochumer Landgericht. Nicht nur auf der Straße, auch daheim rücken die skrupellosen Diebe ihren Opfern auf die Pelle. Mit der Bitte um ein Glas Wasser oder als vermeintlicher Freund des Enkels drängen sie in die Wohnungen und stehlen, was eben geht. „Geld, Schmuck und andere Wertsachen werden eingesammelt. Den alten Menschen tut es dann am meisten weh, wenn Erinnerungsstücke wie der Ehering des verstorbenen Partners, verschwinden“, weiß Löffler aus Erfahrung.Nur wenige der jugendlichen Täter kommen überhaupt vor Gericht. Sie geben ein Alter unter 14 Jahren an, so dass sie gar nicht erst belangt oder festgehalten werden können. „Aber auch wenn Ältere erwischt werden, passiert beim ersten Mal nicht viel. Es ist schwer, überhaupt zu ermitteln. Die Jugendlichen haben falsche Pässe, die Eltern treten nicht in Erscheinung“, schildert der Jurist. Die offenen Grenzen in Europa sowie abgeschaffte Visum-Pflichten machten es den Tätern leicht und den Ermittlern unmöglich, dieses kriminelle Treiben abzuschalten.

Die Großfamilien leben, so Löffler, in einem großen Zigeunerlager in Köln, aber auch in Wohnhäusern in großen Städten wie Berlin: „Von dort aus fahren sie für ihre kriminellen Aktivitäten in alle Teile Deutschlands.“ Ein Unrechtsbewusstsein hat Peter Löffler bei den Roma und Sinti, die schon vor seinem Richtertisch gestanden haben, nicht entdecken können: „Schon für die Kinder und Jugendlichen ist das alles absolut selbstverständlich. Sie werden damit groß und kennen gar nichts anderes. Viele Familien leben von der Kriminalität.“ Nicht als Richter, sondern als Mitbürger möchte Löffler Senioren warnen. Es geht ihm nicht darum, Menschen zu diskriminieren, sondern mögliche Opfer gut zu informieren.