Jux und Gemetzel im „Thor“-Film

Neu im Kino

Was tut sich im neuen „Thor“-Film? Chris Hemsworths nordischer Recke ist nicht nur der Gott des Gemetzels, sondern auch ein Mann flapsiger Sprüche.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 29.10.2017, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf ins Getümmel (v.l.): Hulk (unter digitaler Maske: Mark Ruffalo), Thor (Chris Hemsworth), Valkyrie (Tessa Thompson) und Loki  (Tom Hiddleston) gehen auf einer Brücke ins letzte Gefecht. Ab Dienstag im Kino.  Foto: Marvel Studios/AP

Auf ins Getümmel (v.l.): Hulk (unter digitaler Maske: Mark Ruffalo), Thor (Chris Hemsworth), Valkyrie (Tessa Thompson) und Loki (Tom Hiddleston) gehen auf einer Brücke ins letzte Gefecht. Ab Dienstag im Kino. Foto: Marvel Studios/AP © dpa

In Ketten liegt Thor (Chris Hemsworth) in einem Käfig, daneben steht ein gehörnter Dämon, der ihm das Licht ausblasen will und das Ende der Götterstadt Asgard prophezeit. Juckt das den Mann mit dem Hammer? Ach, was. Er reißt ein paar Witzchen, auf der Tonspur des Films singen Led Zeppelin von Valhalla und dem Hammer der Götter, und Thor macht den Dämon mal eben einen Kopf kürzer.

Das sind sie schon, die Zutaten, die „Thor – Tag der Entscheidung“ prägen, Marvels dritte Göttersaga um den nordischen Hammerschwinger und seine Sippe: Humor und Schlagetot-Action. Es gibt die gewohnt martialischen Schlachten, imposante Fantasy-Panoramen, die nach „Herr der Ringe“ aussehen, Raumgleiter-Jagden wie bei „Star Wars“ – und zwischendurch läuft eine Comedy-Show, die doch sehr an „Guardians Of The Galaxy“ erinnert. Das Jux-Geplapper klingt nicht so frisch und munter wie bei den Kollegen, Lacher fallen trotzdem ab.

Mehr als Routine-Witz

Vermutlich hat man im Hause Marvel gemerkt, dass Götter, die in gemeißelten Sätzen pathetisch raunen, auf Dauer sehr eindimensional sind. Sicher hat die Comic-Film-Fabrik auch registriert, dass die „Guardians“ bei Publikum und Kritik mit Witz punkten konnten, und deshalb Chris Hemsworth (und Mark Ruffalos Hulk) den ein oder anderen flapsigen Einzeiler ins Dialogbuch geschrieben, der über die Routine-Witzelei früherer Filme hinausgeht. Im Ergebnis mildert das Geplapper die Schwärze der Bedrohung und die Fallhöhe des Endkampfs um die Götterheimat Asgard – parallel steigt jedoch der Unterhaltungswert. Ohnehin stehen ja im Comic-Kosmos immer gleich ganze Planeten und Zivilisationen vor dem Aus, das ist ein alter Hut. Da darf das Blabla um den titanisch-diabolischen Endgegner gern auch mal selbstironisch gewürzt sein.

Der Fiesling, der sich nun an Odin (Anthony Hopkins), Thor und seinem Bruder Loki (Tom Hiddleston) rächen will, ist eine Frau, genauer Odins verstoßene Tochter Hela, gespielt von Cate Blanchett. Was hat sie mit Papa nicht für Schlachten geschlagen, damals einundleipzig, zweiundleipzig! Und doch hat der undankbare Alte sie verbannt, gelähmt und irgendwo geparkt für ganze Zeitalter.

Jetzt ist Hela zurück, mächtiger denn je und rachedurstig. Sie zerschmettert Thors Hammer, sie wird Asgards Thron usurpieren, eine Armee von Toten beschwören und die Stadt der Götter verwüsten. Gegen ihre Hexenkraft muss die Restfamilie alles aufbieten, der grüne Berserker Hulk, Rabenbruder Loki und eine „Kickass“-Walküre (Tessa Thompson) sind eine willkommene Verstärkung.

Duell im Colosseum


Zwischen Zauberei, Fantasy, Science-Fiction borgt sich der Film (Regie: Taiki Waititi) Szenarien, die er tricktechnisch ganz ordentlich aufbereitet: Hauen und Stechen auf einer Brücke (Helms Klamm in den Tolkien-Filmen). Luftkämpfe à la George Lucas. Duelle in einem Colosseum wie bei „Gladiator“, abgeschmeckt mit einer Prise „Tribute von Panem“, wenn Jeff Goldblum einen Zeremonienmeister blutiger Spiele gibt – noch eine Witzfigur, die man nicht ernst nehmen kann.

Benedict Cumberbatch schaut als Dr. Strange vorbei, auch Matt Damon absolviert eine winzige Rolle. Immer was los, Langeweile kommt nicht auf. Das ist das Beste, was man über Marvels serielle Comic-Epen sagen kann.

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