Kabarettist Matthias Reuter traf bei „Kultur auffem Hügel“ den Nerv der Zuschauer

WITTEN „Ich bin gekommen, Euch zum Spaß“, das sagte einst der große Hanns Dieter Hüsch in „Der lange Marsch eines Clowns“. Ein Clown ist Klavier-Kabarettist Matthias Reuter nicht, und doch kam er Samstag bei „Kultur auffem Hügel“, der Kleinkunstreihe der evangelischen Trinitatis-Gemeinde, zum Spaß - zum hintergründig nachdenklichen Spaß à la Hüsch.

von Von Dietmar Bock

, 20.10.2008, 16:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kabarettist Matthias Reuter traf nicht nur am Klavier jeden Ton.

Kabarettist Matthias Reuter traf nicht nur am Klavier jeden Ton.

Der Ruhrpott-Wortakrobat ist natürlich, brilliert mit Originalität und trifft nicht nur auf dem Klavier jeden Ton exakt. Er nimmt ProSieben-Moderator Stefan Raab, „den Metzger, der mit ´nem Wok ´ne Rodelbahn runterrutscht“, ebenso aufs Korn wie die schier endlosen TV-Talk- und Koch-Sendungen. Seine Liebe gilt indes den Menschen hier im Revier. Mit dem Ruhrpott-Slang ist er ihnen sehr nahe. Deshalb widmete er der Region auch eine Hymne, in der es u.a. heißt: „Bottrop-Kirchhellen, scheiß auf die Seychellen“ und „bleib in Essen, Malibu kannze vergessen“. „Watt ham se sich denn da widder bei gedacht“, fragt sich der typische „Ruhri“ und ist mit seiner Kritik äußerst gnädig, wie Reuter findet: „Immerhin geht er davon aus, dass sich jemand etwas dabei gedacht hat. Da ist man hier sehr wohlwollend“.

Weniger Wohlwollen für Oliver Kahn: „Wer Bücher wie ´Nummer eins` und ´Ich. Erfolg kommt von innen` schreibt, ist beste Realsatire“, so der Germanistik-Magister. Überragend die sehr anschauliche Darstellung des Kindergeburtstags im Auto-Kino, bei dem der Wagen unter dem Einsatz von Speise-Eis leidet und der falsche Film angesteuert wird: Horror-Thriller statt Harry Potter. Wenn einer Hanns Dieter Hüsch einmal annähernd erreichen kann, dann Matthias Reuter. Deshalb muss er wiederkommen.