Kämmerer beantragt Disziplinarverfahren gegen sich selbst

Aus dem Rathaus

Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz hatte ihren Kämmerer öffentlich getadelt. Jetzt schlägt Busch zurück und beantragt ein Disziplinarverfahren - gegen sich selbst. Er will seinen Namen vom Vorwurf reinwaschen, er hätte die Opposition benachteiligt.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 25.10.2010, 15:52 Uhr / Lesedauer: 1 min

Kämmerer Manfred Buschs Urlaub endete wenig erfreulich. Aus der Zeitung musste er von der öffentlichen Rüge der Oberbürgermeisterin gegen seine Person erfahren. Ohne das Ottilie Scholz zuvor das Gespräch mit dem Kämmerer gesucht hätte. Lediglich ein Mitarbeiter ihres Büros hatte sich nach der turbulenten Ratssitzung mit dem Kämmerer unterhalten.Hintergrund Hintergrund: Bei den Beratungen zur Prioritätenliste B hatten die Fraktionen der Grünen und SPD von Busch eine Vorabversion der Beschlussvorlage erhalten, die Opposition sah das Papier erst wenige Stunden vor der Ratssitzung und hatte daraufhin sogar mit der Abwahl des Kämmerers gedroht. Ottilie Scholz hatte sich vergangene Woche schriftlich bei den Fraktionen für das Verhalten von Busch entschuldigt. Am ersten Tag nach seinem Urlaub reagierte Manfred Busch am Montag seinerseits mit einem Schreiben. Die Überraschung: In dem Brief an Scholz beantragte der Kämmerer ein Disziplinarverfahren gegen ihn selbst. Scholz hatte weitere Maßnahmen abgelehnt. „Ich sehe nicht, dass eine Untersuchung stattgefunden hat“, so Busch im Gespräch mit den RN. Mit dem Disziplinarverfahren will er genau diese Untersuchung erzwingen.Ursprung der Panne Er sieht den Ursprung der Panne nicht in der Kämmerei sondern im Büro für Ratsangelegenheiten - und damit bei der Oberbürgermeisterin. „Ich habe die Beschlussvorlage am Mittwochmittag dort abgeben lassen“, so Busch. Damit hatte das Papier sein Büro 27 Stunden vor der Ratssitzung verlassen. Die als dringlich gekennzeichnete Unterlage hätte den Fraktionen am selben Tag zugestellt werden müssen, so der Kämmerer. Sie kam aber erst zwei Stunden vor der Sitzung an.Gemeinsame Entschuldigung Noch vor seinem Urlaub hat Busch der OB die Abläufe in einem mehrseitigen Schreiben geschildert, eine gemeinsame Entschuldigung vor dem Rat vorgeschlagen. „Dass Sie es nun vorgezogen haben, sich für mich zu entschuldigen und nicht den Weg gemeinsam zu gehen, bedauere ich sehr“, schreibt Busch. Wenn Scholz am Dienstag wieder ins Rathaus zurückkehrt, gibt es für sie einiges zu klären.