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Käßmann: "Nicht alle Islamisten sind Terroristen"

Antrittsvorlesung an der Ruhr-Uni

In einem übervollen Audimax hat Margot Käßmann an der Ruhr Universität ihre Antrittsvorlesung gehalten. Mit ihrer Rede zur multikulturellen Gesellschaft in Deutschland machte sie klar, dass sie eine Frau der deutlichen Worte ist - und erntete tosenden Applaus.

BOCHUM

von Von Claudia Staudt

, 12.01.2011 / Lesedauer: 3 min
Käßmann: "Nicht alle Islamisten sind Terroristen"

Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hält am Mittwoch im Audimax der Ruhr-Universität in Bochum im Anschluss an ihre erste Vorlesung "Multikulturelle Gesellschaft - Wurzeln, Abwehr und Visionen" einen Blumenstrauß in den Händen. Käßmann hat in Bochum eine einjährige Gastprofessur angetreten.

sind im Audimax auf dem Campus der Ruhr Universität beinahe alle Plätze besetzt. 1800 Leute passen rein. Nur hinter dem Rednerpult, das im rechten, vorderen Teil aufgebaut ist, sind noch orangene Sessel, auf denen noch niemand Platz genommen hat. Was wohl dem schlechten Blick von dort aus geschuldet ist: Lediglich Käßmanns Rücken wird man sehen können.

Drei Doktorandinnen blicken sich suchend um. "Besetzt oder reserviert", stellen sie fest. Und: "Der Haarfarbe nach zu urteilen, sind die Studenten heute in der Unterzahl", lacht eine von ihnen."Sie kann viel für die Ökumene tun"11.05 Uhr: Die ersten Menschen machen es sich auf den Treppenstufen bequem oder stellen sich einfach hinter die Sitzplätze. Darunter auch Katharina Kropf. Die 21-Jährige studiert katholische Theologie. Dass es so voll ist, wundert sie nicht. "Margot Käßmann ist eine offene, spannende Frau. Sie kann sicherlich noch viel für die Ökumene tun." Kropf ist überzeugt, dass man viel lernen könne, wenn man die Vorlesungen der Theologin regelmäßig besucht. Zeige doch die Gastprofessorin die Toleranz, die man bei der eigenen Konfession oft ein wenig vermisse. Nur noch wenige Minuten, bis es los geht: 11.10 Uhr. Klaus Diebel hat einen der heute begehrten Plätze im Audimax ergattert. Er kommt aus Marl. "Ich bin extra wegen Frau Käßmann hier. Die Dame hat etwas zu sagen - und in Deutschland gibt es nicht mehr viele Leute, die etwas zu sagen haben," findet der 72-Jährige.Menschentrauben vor den Eingängen11.15 Uhr:Die Schar der Journalisten rückt aufgeregt dem Rednerpult immer näher. Margot Käßmman steht ein wenig abseits bereits für die ersten Fotos parat. Hinter dem Rednerpult füllen sich nun auch die letzten freien, eigentlich unbeliebten, Plätze. Vor den Eingängen bilden sich Menschentrauben. Um 11.20 Uhr tritt die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche hinter das Pult und beginnt zu reden. Deutschland sei längst wie die USA ein Einwanderungsland. Die wichtigste Frage sei: "Wie lässt es sich gestalten, dass Menschen mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen in Deutschland gemeinsam leben?" Es gebe zu viele Vorurteile, zu viel Angst vor dem Fremden, Angst vor der Inkulturation des Christentums. Dabei seien die christlichen Bräuche längst vom "Fremden" durchzogen - und das sei nicht schlecht. "In der Auferstehungsgeschichte der Bibel ist nirgends die Rede von Häschen, Küken und Eiern - dennoch gehören sie zum europäischen Osterfest dazu."  Die Migration sei ein urbiblisches Thema, stellte Käßmann den Bezug zur Theologie her. "Adam und Eva, die ersten Menschen, mussten das Paradies verlassen und eine neue Heimat suchen." Die Aufgabe der Uni, und somit während der einjährigen Gastprofessur auch ihre Aufgabe, sei es, Debatten zu führen und Standpunkte zu finden. Dass sie das kann, beweist sie mehrfach: "Nicht alle Islamisten sind Terroristen!" Applaus. Applaus für eine glaubwürdige Frau, deren Wort so großes Gewicht hat, dass sehr viele Menschen in und um Bochum es hören wollen. Beinahe mehr, als in den größten Hörsaal der RUB reinpassen.