Kai Niggemann bringt Technik zum Singen

Performance

Den Taktstock in der Hand und vor sich auf dem Pult eine umfangreiche Partitur. So steht Kai Niggemann auf der Bühne des Pumpenhauses und dirigiert einen Chor, der Töne von sich gibt, die eher an einen Synthesizer als an menschliche Stimmen erinnern.

MÜNSTER

von Von Helmut Jasny

, 05.06.2014, 21:08 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Chorkonzert, in dem Arbeitsgeräusche stimmlich nachgebildet wurden, konnte auch optisch überzeugen.

Das Chorkonzert, in dem Arbeitsgeräusche stimmlich nachgebildet wurden, konnte auch optisch überzeugen.

Für das Publikum ist das eine durchaus interessante Erfahrung. Wer hätte gedacht, dass Nanotechnologie wesentlich polyphoner klingt als Biotechnologie? Dass sich die Schwerindustrie wie Heavy Metal gebärdet, war zu erwarten. Aber dass es auf Platinen derart lustig zugeht, wussten wohl nur wenige. Die Telekommunikation hat außer einem beständigen Knistern komischerweise nur wenig zu sagen, dafür taktet die Administration fröhlich vor sich hin. Das gute alte Handwerk klingt zunächst etwas verschnarcht, dreht dann aber mit dem Sound einer Bohrmaschine mächtig auf.

Unter der Regie von Ruth Schultz ist eine akustisch ebenso aufschlussreiche wie unterhaltsame Performance entstanden, die durch kurze choreografische Einlagen des Chores auch optisch was zu bieten hat. Hinzu kommt ein didaktisches Moment, wenn Thomas Schweins zwischen den einzelnen Kompositionen über Geräusche im Wandel der Zeit doziert oder die musikalischen Möglichkeiten verschiedener Geräuscherzeuger wie Dröhner, Knisterer, Scharrer, Zischer und Gurgler erläutert.