Kampf und Leid vor den Kadavern von drei Pferden

Ruhrtriennale

Zunächst scheint es so, als würde auf der Bühne der Bochumer Jahrhunderthalle ein neues Frühlingsopfer aufgeführt: mystisch, verstörend, heidnisch. Wie auf einem Altar aufgebahrt liegen drei tote Pferde. Um sie herum beginnen eine Tänzerin und acht Tänzer einen Kampf, reißen sich die Kleider vom Leib, raufen, prügeln. Zimperlich gehen sie auch in den folgenden knapp zwei Stunden dieser Uraufführung des sehr körperlichen Tanztheaters von Alain Platel am Donnerstagabend bei der Ruhrtriennale nicht miteinander um.

BOCHUM

, 02.09.2016, 10:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kampf und Leid vor den Kadavern von drei Pferden

Sehr körperlich, rabiat und ungewöhnlich präsentierten die Tänzer die Uraufführung.

Aber es ist nicht Strawinskys "Sacre du printemps", das Platel neu deutet, sondern das "Mahler-Projekt", das zehn Ausschnitte aus Sinfonien des Spätromantikers mit Geräuschen schlafender Tiere und Musik aus dem Kongo kombiniert.

Mahler, der Gemütskomponist, dessen Emotionen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg immer noch so aktuell sind, vertanzt die Gruppe sportlich und akrobatisch, mit originellen Verbiege-Figuren und Schrittfolgen.

"Nicht schlafen"

"Nicht schlafen" heißt das Stück, das verstört mit Gewalt, Fragen nach dem Sinn stellt, aber zugleich fasziniert. Weil die Tänzer Mahlers Sarkasmen zum Teil so irrsinnig übersetzen oder noch weiter karikieren.

Da wird ein Tänzer fast zu Tode geschleppt, hängt auf den Körpern der toten Pferde vor einem Vorhang, der in Fetzen den Tanzraum begrenzt, rappelt sich wieder auf, taumelt zurück in eine zerrissene Welt, die kurz davor ist, in Scherben zu fallen. Expressives, ungewöhnliches Tanztheater ist das. Und zugleich eines, das sehr beziehungsreich Mahlers Sinfonik deutet.

Mit-Gefühl

Die Nicht-Schlafen-Warnung ist für das Publikum nicht nötig. In pausenlosen 100 Minuten wird es in einen Strudel von Mit-Gefühl und Mit-Leiden gezogen. - Sehenswert.

: 3./8./9./10.9., Karten: Tel. (0221) 280210.