Kanalbrücke Uechtingstraße in Gelsenkirchen in Gefahr

Denkmalschutz

Kanäle gibt es im Ruhrgebiet viele und auch Brücken, um diese zu überqueren. Kanalbrücken haben jedoch nicht nur einen Nutzen für den Straßenverkehr, sondern sind unverzichtbare, historische Bauwerke der Industriekultur. Daher stehen auch einige unter Denkmalschutz. Nicht der Fall ist dies bei der rund 70 Jahre alten Kanalbrücke Uechtingstraße in Gelsenkirchen, die nun einem Straßenausbau weichen soll.

GELSENKIRCHEN

, 17.04.2017, 18:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kanalbrücke Uechtingstraße in Gelsenkirchen in Gefahr

Die Kanalbrücke Uechtingstraße in Gelsenkirchen soll einem Straßenbau weichen. Im Hintergrund zu sehen ist der Kugelgasbehälter, künstlerisch gestaltet von Rolf Glasmeier.Jäger

Als wichtiges städtebauliches Element stuft der pensionierte Stadtplaner Lutz Heidemann die Fachwerkbrücke ein. In einem Gutachten beurteilte er im März 2016 ihren Denkmal- und Geschichtswert. Für ihn gebe es keinen Zweifel, dass an ihrem Aussehen und ihrer Zukunft ein öffentliches Interesse besteht.

Die sich im Besitz der Stadt Gelsenkirchen befindende Kanalbrücke ist eine von vier Straßenquerungen des Rhein-Herne-Kanals. Doch sie ist nicht die erste Brücke, die an dieser Stelle stand. Ihre Vorgängerin ist bei dem Versuch, die amerikanischen Truppen aufzuhalten, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht gesprengt worden.

Mit der Bauabnahme am 23. März 1951 ist die jetzige Brücke somit eine Neuschöpfung der Nachkriegszeit. Sie ist gestalterisch weniger aufwendig als die ältere sogenannte Sutumer Brücke, die weiter westlich noch als ursprüngliche Straßenquerung erhalten ist und Denkmalschutz genießt.

Zukunft noch ungewiss

Die Stadt plant schon seit einigen Jahren den zweispurigen Ausbau der Uechtingstraße von der Emscherbrücke bis zur Kreuzung Alfred-Zingler-Straße. Damit einhergehen soll der Neubau der Kanalbrücke, die nur noch vermindert tragfähig und in einem schlechten baulichen Zustand sei.

steht es in einer öffentlichen Ausschreibung von September 2014. "Der Ausbau und die neue Kanalbrücke kommen auf jeden Fall", so Stadtsprecher Oliver Schäfer auf Nachfrage. Die Planungsphase sei bereits abgeschlossen, wann es genau losgeht stehe aber noch nicht fest.

Diese Maßnahme sei jedoch vollkommen unabhängig von der Zukunft der alten Kanalbrücke zu sehen, die nicht mehr den modernen Verkehrsanforderungen entspreche. Die Sanierung würde einen sechsstelligen Betrag verschlingen. Ob die Brücke denkmalwürdig ist und in irgendeiner Form erhalten bleibt, müsse noch geprüft werden. "Alles andere ist Spekulation", so Schäfer.

Kunstwerk als Nachbar

Anstatt eines Abrisses plädiert Lutz Heidemann für eine "konservierende Wiederherstellung" der Brücke und einen Neubau an anderer Stelle. Er führt an, dass bei der Bewertung nicht nur Gestaltung und Technik einbezogen werden sollten, sondern auch die Umgebung. Denn besonders als "Element der industriell geprägten Kulturlandschaft" präge die Kanalbrücke die Landschaft ungemein.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich beispielsweise ein Kugelgasbehälter. Dieser steht auf dem Inselstreifen zwischen der Emscher und dem Rhein-Herne-Kanal, der sogenannten "Emscherinsel". 1985 gestaltete Rolf Glasmeier den Gasbehälter künstlerisch neu und nannte seine hellblaue mit gelben Punkten versehende Arbeit optisch passend "Der Ball".

Als erster Schritt sollten nach Lutz Heidemann der Kugelgasbehälter und die Kanalbrücke unter Denkmalschutz gestellt werden. Damit würde die Stadt auf jeden Fall ein Zeichen setzen, für den Erhalt eines Stücks Industriekultur.