Kann die Stadtbücherei wie das Dortmunder Depot funktionieren?

Diskussion mit Architekten

Die Sommerpause ist vorbei. Zeit für die Bürgerinitiative „Rettet die Stadtbücherei“, sich auf eine neue Runde in der Bürgerwerkstatt einzurichten, in der sie mit der Stadtverwaltung kontrovers über die Zukunft der Einrichtung diskutiert. Als Vorbild könnte das Kulturzentrum Depot in Dortmund dienen.

INNENSTADT

von von Susanne Linka

, 15.09.2011, 15:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Umbauarbeiten in der ersten Etage der Stadtbücherei haben begonnen.

Die Umbauarbeiten in der ersten Etage der Stadtbücherei haben begonnen.

Vielleicht könnte das Modell ja ein Beispiel sein, das sich aufs Büchereigebäude übertragen lässt. Allerdings ist das Depot mit 30 000 Quadratmetern Fläche viel größer als die Bücherei (circa 2200 Quadratmeter). „Es kommt ganz ohne öffentliche Zuschüsse aus“, schilderte Köhler seinen Zuhörern das Modell. Das wäre allerdings eine verlockende Aussicht für die Bücherei-Retter aus der Ruhrstadt. Doch hätte die Bücherei dafür genug Zugkraft? Die Kulisse für das Dortmunder Zentrum ist ein altes Straßenbahndepot, das seit 2000 ein Theater, ein Programmkino, eine kleine Gastronomie, Künstlerateliers und Büroräume beherbergt. Auch Köhler ist dort Mieter und als solcher Vereinsmitglied im Depot-Trägerverein. Das Gelände gehört nach seinen Angaben inzwischen der Wohnungsgesellschaft DOGEWO. „Alle Vereinsmitglieder sind auch zu einem bestimmten Pensum an Gemeinschaftsarbeit im Zentrum verpflichtet“, erläuterte der Architekt das Modell. Er selbst zahle als Gewerbetreibender eine Quadratmeter-Miete von fünf Euro, die Künstler haben sich zu günstigeren Konditionen eingemietet.

„Das Gewerbe finanziert die Kunst mit“ – das, so Köhler, sei dabei der Hintergedanke. Die charmante alte Stahlhalle werde immer wieder auch für größere Events vermietet. Ein Pfund, mit dem das Büchereigebäude freilich nicht wuchern könnte. Durch die Teilnahme an Aktionen wie dem Tag des offenen Denkmals und der Extraschicht sei das Depot bekannt geworden und habe ich immer neue Besucherschichten erschlossen. „Das wäre nach Köhlers Einschätzung allerdings auch eine Chance für die Bücherei: „Das schöne alte Treppenhaus und der Tresorkeller könnten für Besuchergruppen durchaus interessant sein.“ Ein Jazzlokal im Keller des Ruhrstraßengebäudes, das scheint ihm wie auch dem Kaufinteressenten Lehmann eine gute Idee zu sein. Der Architekt ist auch davon überzeugt, dass in Witten noch „qualitativ hochwertiger Wohnraum gesucht wird“. Eine Vermietung der oberen Etagen könnte also Einnahmen bringen, wenn die Bücherei langfristig im Erdgeschoss bleibt. Das Kulturforum müsste das stark sanierungsbedürftige Gebäude dann behalten.