Kaputter Zahn - Frau will Schadenersatz ergaunern

Prozess in Bochum

Eine 63-jährige Rentnerin steht seit Dienstag in Bochum vor Gericht. Die Anklage: Betrug und Erpressung. Die Zutaten: eine Dose Mais, eine Portion Fischstäbchen - und ein vermeintlich verhängnisvoller Biss auf etwas Hartes.

BOCHUM

28.03.2017, 16:29 Uhr / Lesedauer: 1 min

Ein abgebrochener Zahn, drei verschiedene Storys: Laut Staatsanwaltschaft hat die Bochumerin Anfang 2014 gleich drei Lebensmittelkonzerne ein dreistes „Zahnmärchen“ aufgetischt. Erst erhielt Bonduelle eine E-Mail mit einer Schadenersatzforderung, wenig später gingen mehr oder weniger gleich lautende Schreiben bei den Firmen Iglu und Sonnen Bassermann ein.

Die Konzerne sollten gefälligst die Rechnung (1887,60 Euro) für einen abgebrochenen Zahn durch angeblich harte Gegenstände in ihren Produkten bezahlen, hieß es. Und zwar schnell. Ansonsten drohte die Rentnerin laut Anklage auch einmal, sich an die Redaktion „Akte 2014“ (SAT.1) zu wenden.

Gelinkt von zwei alten Freunden?

Im Prozess vor dem Schöffengericht beteuerte die mutmaßliche Betrügerin ihre Unschuld. Von einer Lüge könne gar keine Rede sein, hieß es. Denn grundsätzlich sei die Geschichte mit dem abgebrochenen Zahn ja völlig richtig. Beim Verzehr eines gebratenen Fischstäbchens von Iglu habe sie plötzlich auf einen Fremdkörper gebissen. „Der Gegenstand war sehr hart und leicht gebogen“, erinnerte sich die 63-Jährige.

Nach einer Behandlung und dem Rat ihres Zahnarztes habe sie an die Firma Iglu danach auch eine Schadenersatz-Mail geschrieben. Die zwei anderen Schreiben, so die Rentnerin, seien aber ohne ihr Wissen verfasst worden. Und zwar von zwei alten Camping-Freunden, die damals Zugang zu ihrem Computer hatten, von denen die 63-Jährige angeblich aber heute nicht mal mehr die Nachnamen kennt. „Ich hätte nie gedacht, dass die mich so dermaßen in Schwierigkeiten bringen“, so die Angeklagte.

Ein Waffeleisen-Verkäufer als Zeuge

Zahnmärchen oder Zahnunfall? Ehe das Bochumer Schöffengericht ein Urteil fällt, soll nun auch noch ein Waffeleisen-Verkäufer als Zeuge geladen werden. Den Mann soll die 63-Jährige nämlich laut Anklage auch gelinkt haben, indem sie ihm nach einer Ebay-Bestellung im Zuge der Retour ein anderes (defektes) Waffeleisen untergejubelt hat. Der Prozess wird fortgesetzt. 

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