Karel Appel und die Kraft der Farbe

Emil-Schumacher Museum

Karel Appel - klar: Der gehörte zur Gruppe Cobra. Aber der niederländische Künstler hat sich relativ schnell von der internationalen Avantgardebewegung getrennt und seinen eigenen Stil gefunden. Zehn Jahre nach seinem Tod zeigt das Emil-Schumacher-Museum in Hagen nun eine große Retrospektive mit 41 großformatigen Arbeiten aus den Jahren 1945 bis 2000.

HAGEN

, 26.08.2016 / Lesedauer: 2 min
Karel Appel und die Kraft der Farbe

Karel Appels „Entflammtes Kind mit Reifen“ von 1961.

"Karel Appel - Der abstrakte Blick" heißt die umfangreiche Schau im Oberlichtsaal, die sehr schön zur Ausstellung von Emil Schumachers "Reisebildern aus dem Orient" passt, die noch bis zum 23. Oktober zu sehen ist. Denn Schumacher und Appel teilen die Lust an der Farbe.

Pastos hat Appel die in seinen späteren, expressionistischen Bildern aufgetragen; in den Landschaftsgemälden hängt die Farbe in Klumpen auf den großen Leinwänden - sehr schön kann man in der Ausstellung die Entwicklung des Künstlers von den an Kinderzeichnungen geschulten frühen Gemälden aus der Amsterdamer Cobra-Zeit bis zu einem freien, expressionistischen Farbfeldmalerei nachvollziehen.

Immer wieder Kinder

Und man sieht auch, wie Appel auf junge Künstler in New York, auf Matisse (in den Fensterbildern) und auf die abstrakten Künstler (in den Gemälden mit geometrischen Formen) reagiert hat.

Kinder sind ein immer wiederkehrendes Thema in Appels Malerei. Oft hat er sie auch aus der Erinnerung gemalt - wie 1961 sehr eindrucksvoll die hungernden Kinder, die er 1948 bei einer Zugfahrt durch Deutschland gesehen hatte.

Landschaftsmalerei, Porträts, die für Appel "Gesichtslandschaften" waren, auch klassische Themen wie Stillleben und Zeichnungen mit dem Pinsel auf schwarzen Leinwänden, Akte (auch von seiner ersten Ehefrau, mit interessanten Innenansichten eines Uterus) gehören zu der Retrospektive auf ein international bedeutendes Werk im Schumacher-Museum.

Schön darstellen wollte Appel seine Motive nie - aber auch nicht abstrakt. Seine Bilder sind farbsatte, expressionistische Charakterstudien.

Große Retrospektive

Das Schumacher-Museum reiht sich in Liste großer Häuser in Den Haag, Washington und Paris ein, die ebenfalls zu Appels zehntem Todestag Retrospektiven zeigen. - Eine schöne Renaissance, denn die letzte große Appel-Schau in Deutschland war vor 25 Jahren in Köln zu sehen.

Eine große Zahl der Exponate stammt von der Appel-Foundation. Sie wird bei der Ausstellungs-Eröffnung am Sonntag vertreten von Harriet Appel, der Witwe des Künstlers. Im Museum ist auch ein 15-minütiger Film über Karel Appel bei der Arbeit zu sehen.

 

Emil Schumacher Museum Hagen: "Karel Appel - Der abstrakte Blick", 28.8. (Eröffnung 11.30 Uhr) bis 15.1., Museumsplatz 1, Di-So 11-18 Uhr, Katalog: 29,90 Euro, Eintritt: 6 Euro (inklusive Osthaus-Museum).