Karl Fred Dahmens Leben zwischen Sperrmüll und Furchen

Ausstellung im Museum Küppersmühle

Das Museum Küppersmühle in Duisburg widmet Karl Fred Dahmen zum 100. Geburtstag die bisher umfangreichste Retrospektive „Das Prinzip Landschaft“. Mit einem außergewöhnlichen Lebenslauf. Eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstag vom Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, Armin Laschet.

DUISBURG

, 20.09.2017 / Lesedauer: 3 min

Die Gemälde, Collagen und Objekte aus vier Jahrzehnten stellt das Museum Küppersmühle in Duisburg in Kooperation mit dem Hoesch-Museum Düren aus. Bekannt wurde der 1981 verstorbene Dahmen mit der Düsseldorfer Künstlervereinigung „Gruppe 53“.

Am Eingang empfängt ein zweiteiliges Montagebild die Besucher, ein Korsett und Scheinwerfer auf Rupfen von 1966. Ab da ist der Rundgang chronologisch. Die Ausstellung ist dadurch eine Art Rundgang durch das Leben Dahmens, ein Lebenslauf. Zu Beginn seiner Karriere widmete er sich der geometrisch, abstrakten Kunst.

Dahmen integriert Sperrmüll in Montagen

So entstanden seine Stadtbilder, die durch eine Aufsicht ein Abbild der Struktur von Städten sind. Die Idee kam ihm bei einer Paris-Reise. Danach wurde er informeller. Viele Bilder waren in dieser Zeit durch Haldenlandschaften in seiner Heimat Stolberg beeinflusst, vor allem die Bilder in braunen, erdigen Tönen, wie die „Haldenzone“ von 1957.

Ab den 1960er-Jahren schuf er figurative Werke, wie Mauerbilder. Ab Mitte der 60er-Jahre kamen Montagebilder hinzu, bei denen er Gegenstände vom Sperrmüll in Bilder integriert hat – als Rückbindung des Kunstwerks an das Leben über real existierende Dinge.

1968 zog es ihn in den Chiemgau, er wurde Professor an der Kunstakademie München. Nach einer kurzen Schaffenskrise nach dem Umzug vom Rheinland ins Alpenland folgten Objektkästen, die seine Arbeiten im Chiemgau wesentlich beeinflussen. Vor allem Tele-Landschaften und Galgenbilder, in denen er mit Polstern arbeitet.

Furchen bestimmen Dahmens letzte Jahre

Die „Große Tele-Landschaft“ von 1969 zeigt eine künstliche Landschaft, das grüne Polster stellt die Natur dar. Die „Chiemgau-Legende“ gegenüber ist weiß mit einem Galgenobjekt in der Mitte und dicken Seilen, die aus der Wand bis auf den Boden ragen. Das Weiß steht im krassen Kontrast zum Grün der Landschaft.

Es folgen weitere Objektkästen, immer wiederkehrende Elemente sind Polster, Seile, Leder, Galgen, wie auch bei der Installation „An die geschundene Kreatur“ (1974), die an eine Kutsche mit schweren Seilen erinnert. Im Raum daneben sind Collagen und Montagebilder zu sehen. Sie greifen die Elemente des ersten Bildes auf, auch hier sind zahlreiche Scheinwerfer und Korsette auf Rupfen zu sehen.

Sein letzter Einfluss ist eine USA-Reise im Jahr 1977 in die Südstaaten, die sein Schaffen veränderte. Es entstanden Furchenbilder, die minimalistischer daherkommen. Diese zeigt der hinterste Raum. Das große Gemälde auf der rechten Seite ist sein letztes – ein Bild, das mit unzähligen Furchen übersät ist.

Museum Küppersmühle Duisburg: „Das Prinzip Landschaft“, 21. 9. (Eröffnung 19 Uhr) bis 5.11., Philosophenweg 55, Mi 14-18 Uhr, Do-So 11-18 Uhr.