Karl Lagerfeld in Essen: Im Reich der Perfektion

Ausstellung im Folkwang-Museum

„Ich bin ja sooooo gespannt“, hatte Karl Lagerfeld am Abend zuvor an seinen Kurator Gerhard Steidl gemailt. Gestern konnte der wohl bekannteste Modemacher der Welt dann hochzufrieden sein: Die Ausstellung „Parallele Gegensätze“ im Museum Folkwang entrückt uns in (s)ein Reich der Pracht und Perfektion.

Essen

, 14.02.2014, 17:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Modedesigner Karl Lagerfeld kam gestern persönlich ins Folkwang Museum Essen, um die Ausstellung vorzustellen.

Modedesigner Karl Lagerfeld kam gestern persönlich ins Folkwang Museum Essen, um die Ausstellung vorzustellen.

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Lagerfeld in Essen

Der Modezar im Museum. Mit einer Ausstellung in Essen zeigt Karl Lagerfeld einmal mehr, was hinter der dunklen Sonnenbrille steckt: ein Meister der Inszenierung.
14.02.2014
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Der Modezar im Museum. Mit einer Ausstellung in Essen zeigt Karl Lagerfeld einmal mehr, was hinter der dunklen Sonnenbrille steckt: ein Meister der Inszenierung.
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Auch und vor allem er selbst ist stets perfekt inszenierte Kunstfigur: Mit weißgepudertem Haar, fingerlosen Handschuhen und dunkler Sonnenbrille tritt er vor die Kameras. Er betrachte sich selbst nicht als Künstler, lässt er am Freitag in Essen wissen. „Ich bin jemand, der zeichnet, der Mode macht, der fotografiert und so.“ Einem jungen Fan gibt er bereitwillig ein Autogramm, plaudert über seine Leidenschaft zu alten Plakaten, die ihn überhaupt erst mit dem Museum und dessen Plakatsammlung in Verbindung brachte.  „Das ist die größte Ausstellung, die wir bisher gemacht haben“, sagte Freitag Gerhard Steidl, Ausstellungskurator und selbst ein bekannter Verleger. „Aber es ist keine Retrospektive, eher work in progress.“ Also eine Ausstellung, die dem Künstler bei der Arbeit zuschaut.

Und nach Arbeit sieht es am Eingang tatsächlich aus. Hier steht der massive Schreibtisch der Stil-Ikone. Mit Papier und Pastellkreiden, Heften und Lidschatten (Chanel, was sonst?), die Lagerfeld zum Zeichnen benötigt. Irgendwie ist es ganz tröstlich zu sehen, dass auch ein kreatives Genie mal einen profanen Klebestift braucht. Dann aber umfängt den Besucher die Welt des schönen Scheins. Seit 1955 entwarf Lagerfeld, übrigens ein gebürtiger Hamburger und Sohn des Dosenmilchfabrikanten Otto Lagerfeld („Glücksklee“), für Pariser Modehäuser wie Balmain und Patou. Heute arbeitet er als Chefdesigner für Chanel und Fendi. Seit 1987 fotografiert er auch noch. Und 2010 gründete er mit Gerhard Steidl den Verlag L.S.D.Ein Multitalent also, das sich von Kunst und Literatur inspirieren lässt. „Hommage à Feuerbach“ heißt eine Fotoserie, die Pelzmäntel an dunklen Schönheiten präsentiert – wie gemalt von Anselm Feuerbach. Die „Hommage à Feininger“ inszeniert Models vor einer kubistischen Stummfilmkulisse – ganz großes Kino. Für die Werbung „Suite 3906“ stand Maler Edward Hopper Pate. Attraktive Models sollten hier wohl Einsamkeit demonstrieren, sehen dabei aber blendend aus. Dieses Ringen um die Essenz der Schönheit ist das einzige, was den Bildern manchmal schadet – zu gelackt, zu kühl, zu makellos wirken die Männer und Frauen dank moderner Bildbearbeitung. Dem gegenüber stehen allerdings genügend pfiffige Exponate wie das Künstlerbuch „Faust“ von 1995, in dem Gretchen und Mephisto von Claudia Schiffer und David Copperfield (!) gespielt wurden. Großartig sind Lagerfelds Architekturfotos sowie seine Experimente mit historischen und futuristischen Foto-Techniken, die in abgedunkelten Kabinetten zu sehen sind.

Ist das nun Kunst, Kunsthandwerk oder gar Kommerz? „Das ist keine Frage, die Lagerfeld interessiert“, betonte Museumsleiter Tobia Bezzola. „Ihm geht es darum, Grenzen zu überschreiten.“ Auf diese Weise ist nun sogar ein Flügel ins Museum gerollt, den Karl Lagerfeld für Steinway entworfen hat, und der zwölf Tonnen schwere Schmucksafe „Narcissus“. Ein Federgewicht dagegen sind die sieben Chanel-Roben im zentralen Raum, ein Traum in Transparenz. Hier stehen auch die wundervollen Bühnenbildmodelle für die Chanel-Modenschauen. Alles in allem ein ästhetischer Genuss. Ganz in der Nähe hängt übrigens auch Karl Lagerfelds Werk „Lesson in Elegance“. Nichts anderes bietet auch diese Ausstellung: eine „Lehrstunde in Eleganz“.  

Museum Folkwang Essen:
„Karl Lagerfeld. Parallele Gegensätze. Fotografie – Buchkunst– Mode“, 15.2.-11.5., Museumsplatz 1, Di-So 10-18 Uhr, Fr 10-22 Uhr. Der Katalog kostet 18 Euro.

Unklar ist, wie alt der Modemacher eigentlich ist. Bekannt ist allerdings, dass er am 10. September Geburtstag hat. Er ist entweder 1933 oder 1938 geboren, also 75 oder 80 Jahre alt.

Lagerfeld hat seinen ersten Wohnsitz in Monaco, besitzt aber auch Villen bei Saint Tropez und in Paris.

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