"Karl Stuart" als überdrehtes Königsdrama in Dortmund

DORTMUND Albern und überdreht, aber auch durchzogen von witzigen Regieeinfällen – das ist „Karl Stuart“, eine Produktion, die am Samstag im Schauspielhaus ihre Uraufführung erlebte. Regie führte Philipp Preuss.

von Von Andreas Schröter

, 03.05.2009, 15:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Karl Stuart" als überdrehtes Königsdrama in Dortmund

Anne Breitfeld und Andreas Vögler in der Dortmunder "Karl Stuart"-Uraufführung.

Niemals wird allein ein Königsdrama aus dem 17. Jahrhundert erzählt, in dem es um Macht, Intrigen und Kriegslust geht. Immer wieder gibt's solche Brechungen. Wenn Christian Higer aus der Gebrauchsanweisung für Theaterblut zitiert oder Günter K. Harder und Matthias Heße mit Mikrofon und Scheinwerfer vor dem sich ins Zeug legenden Oliver Cromwell (Alexander Gier) hantieren, dann ist das Theater über das Theater. Zitat aus dieser Szene: „Das übersteuert total, wenn du so auf deine Rüstung haust.“Als sich der rote Vorhang eine Viertelstunde vor der Pause nicht mehr öffnen lässt, glauben die Zuschauer an einen weiteren Regieeinfall dieser Art. Ist es aber nicht. Der Vorhang ist wirklich kaputt. Zunächst halten die Schauspieler Bernhard Bauer und Günter K. Harder ihn geöffnet, dann springen zwei Helfer ein. Das Zittern ihrer Hände beweist, dass sie ganze Arbeit leisten. Die Schauspieler beziehen den Vorfall geschickt in ihr Spiel ein und beweisen Improvisationstalent.

Auch auf verschiedenen Zeitebenen spielt das Stück. Da ist das England des 17. Jahrhunderts, und da ist der Nationalsozialismus in Deutschland, in dem Marieluise Fleißer ihr Stück geschrieben hat. Und da ist die Gegenwart mit Handys und kruden Internet-Diskussionsforen über Macht und Demokratie, aus denen die Schauspieler zitieren. Nicht immer ergibt das einen stimmigen Bezug zum 17. Jahrhundert. Insgesamt ist „Karl Stuart“ eine Zweieinhalb-Stunden-Produktion, die durchaus gelungene Einzelszenen hat, aber letztlich kein geschlossenes Ganzes ergibt. Nicht nur wenn die Akteure sich minutenlang in den Unmengen von Tonbandmaterial wälzen, aus denen das Bühnenbild besteht, wünscht man sich Kürzungen.    

 

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