Kaum Ideen in öder Kulisse

"La Traviata" in Hagen

HAGEN Fritz Pleitgen weiß, was dem Publikum gefällt. Er hätte sich auch an den Bosporus setzen können, um die Eröffnungsfeier der Kulturhauptstadt Istanbul zu verfolgen, erzählt er den Opernfreunden. Die Einladung dazu habe er bekommen, aber La Traviata in Hagen sei ihm doch wichtiger gewesen.

von Von Karsten Mark

, 19.01.2010, 10:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Prächtige Kostüme, aber wenig Bewegung: "La Traviata" in Hagen überzeugt nicht.

Prächtige Kostüme, aber wenig Bewegung: "La Traviata" in Hagen überzeugt nicht.

Damit hat Pleitgen wieder einmal die Sympathien auf seiner Seite - dieses Mal am östlichen Rand von "Ruhr.2010", der mit 30 Hagener Projekten gut im Kulturhauptstadtprogramm repräsentiert ist.

Die Opernpremiere gibt den Startschuss dazu. Und sie bietet dem Theater Hagen die Chance, nach endlosen Debatten über Defizite und Einsparungen endlich mit künstlerischem Inhalt die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es hätte diese Aufmerksamkeit zweifellos verdient. In knapp zweieinhalb Jahren hatte es Intendant Norbert Hilchenbach vermocht, frischen Wind auf die vergleichsweise kleine Opernbühne zu bringen, die schon zu seinem Amtsantritt ums Überleben kämpfte.Minimalkulisse aus Baumstümpfen

Beim Auftakt zum Kulturhauptstadtjahr ist davon allerdings rein gar nichts zu spüren. Der Intendant verpflichtete Gregor Horres als Regisseur für die erste Opernproduktion dieses Jahres. Und Horres glänzt durch eine derartige Ideenlosigkeit, wie sie das Hagener Publikum lange nicht mehr ertragen musste. Den langen zweiten Akt hindurch etwa tapern seine Protagonisten hilflos durch ein absonderliches Feld aus Baumstümpfen, was zu einer eher konzertanten Darbietung in einer Minimalkulisse gerät.

Und selbst die kurzen Rahmenakte mit ihren Festszenen bieten jenseits der Kostüme (Ausstattung: Jan Bammes) keine Lichtblicke. Horres führt den Chor wie Schachfiguren in einer hölzernen Choreographie.

Nur die Sänger und das Orchester überzeugen Tragisch ist diese szenische Ödnis nicht nur, weil sich das Opernensemble damit zu einem wichtigen Zeitpunkt weit unter Wert verkauft, sondern auch, weil das es Herzblut in die Produktion investiert hat. Besonders Dominik Wortig als Alfredo und Stefania Dovhan als Violetta haben ihre Partien hörbar gründlich erarbeitet und zeigen im Gegensatz zur Regie durchaus Gestaltungswillen und -kraft. Die Schlussszene gewinnt allein durch sie unerwartet stark an Ausdruck. Musikalisch steht diese Traviata unter dem Dirigat von GMD Florian Ludwig auf einem ordentlichen Fundament. Die große Begeisterung klingt aber auch bei den Hagener Philharmonikern anders.

Karten unter (0 23 31) 207 32 18.

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